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Götter-Festung im Herzen der Stadt

Wir kaum irgendwo auf der Welt prägt ein antiker Tempel noch immer das heutige Gesicht einer Stadt. Die Bewohner nehmen ihn als Selbstverständlichkeit hin, integrieren ihn in ihr Alltags-Leben.Die Rede ist vom Luxor Tempel, der das Stadtbild beherrscht. Wie er zum täglichen Leben gehört wird deutlich, wenn man am Ende des Tempels die "Corniche" verläßt und die große Straße hinaufgeht. Fast immer ist die angrenzende Grünanlage von Familien bevölkert, besonders natürlich an Festtagen. Dort wird im Schatten der jahrtausende alten Gemäuer gepicknickt, gelacht, gesungen und getanzt (Foto oben). Der Tempel gehört zum Leben der Luxorianer dazu.

Am eindrucksvollsten ist die Aussicht auf diese Festung der Götter für uns immer wieder vom Nil aus (Foto unten). Noch bei der tausendsten Überfahrt vom West- aufs Ostufer zieht die imposante Silhouette der Säulen und Pylone unsere Blicke auf sich. Vom großen Strom nur durch die Uferpromenade getrennt wird der Tempel sozusagen "gekrönt" von der Abu El Haggag-Moschee. Immer wieder und immer noch sind wir verwundert und beglückt, dass die ägyptische Bauwut der Neuzeit die Anlage verschont hat, dass wir noch heute die während des Neuen Reiches (ca. 1570-1070 v. Chr.) entstandenen Säle, Höfe, Kapellen, Statuen und Reliefs in solcher Pracht bestaunen können.

Zu verdanken haben wir das Amenhotep III. (ca. 1386-1349 v. Chr.), in dessen Auftrag ein kleines Heiligtum durch einen 190 Meter langen und 55 Meter breiten Tempel-Komplex zu Ehren der thebanischen Triade - dem Reichsgott Amun, seiner Gemahlin Mut und deren gemeinsamem Sohn Chons - ersetzt wurde. So entstand der "Südliche Harem", der Hochzeitsplatz und das südlichste Heim des Amun-Re. Ramses II. (ca. 1279-1212 v. Chr.), unübertroffen in seinen monumentalen Bau-Aktivitäten, erweiterte die Anlage auf eine Länge von etwa 260 Metern.

Wer heute die Tempel-Anlage betritt ist bei der Entscheidung, welche Richtung er als erstes einschlagen soll, sicherlich hin- und hergerissen. Denn links lockt die prächtige, beidseitig von Sphingen behütete Allee, der "Dromos", der früher den Luxor- und den Karnak-Tempel verband, und rechterhand bittet vor dem ersten Pylon kein geringerer als der kolossale Ramses II. gleich in mehrfacher Ausfertigung majestätisch zur Audienz (Foto ganz unten).

Starten Sie einfach mit der Seite, die gerade am wenigsten bevölkert ist, damit Sie die besondere Stimmung, die hier vor allem nach Sonnenuntergang herrscht, genießen können. Denn nur der Luxor-Tempel bietet Ihnen die Chance, ihn sowohl bei Tageslicht als auch am Abend zu besichtigen. Und beides lohnt sich unbedingt. Deshalb unser Tipp: Planen Sie Ihren Besuch so, dass Sie sich am späten Nachmittag zunächst das "Tagesgesicht" anschauen. Danach suchen Sie sich ein ruhiges Fleckchen (unser Lieblingsplatz ist der Zweite Hof), um den Wechsel zum glänzenden "Abendgesicht" zu beobachten. Zum Abschluss bummeln Sie über die festlich beleuchtete Allee, wo die menschlichen Gesichter Sphingen noch geheimnisvoller lächeln als am Tage (zweites Foto links). Ein Fest für die Sinne, das besonders eindrucksvoll genossent werden kann, wenn der Tempel einmal nicht überfüllt ist.

Doch noch ein kurzer Rundgang durch den eigentlichen Tempel. Vor dem mächtigen unter Ramses II. errichteten 63 Meter breiten ersten Pylon mit Reliefs der Schlacht von Kadesh sind noch zwei riesige Sitz-Statuen sowie eine Stand-Statue von einst sechs Königsfiguren erhalten. Und davor ragt noch einer der ehemals zwei Obelisken in den Himmel. Dazu eine kleine Anekdote am Rande: Den "Zwilling" schenkte Pasha Mohamed Ali (1805-1849) dem französischen König Louis Philippe, als Dank für ein 1846 erhaltenes Geschenk: Den Uhrenturm, den Touristen noch heute im Innenhof der nach ihm benannten Moschee innerhalb der Zitadelle in Kairo bestaunen. Der Obelisk aus dem Tempel von Luxor dagegen, wird seitdem am Place de la Concorde in Paris vom Großstadt-Verkehr umtost.

Es folgt der erste Hof (57 x 51 m) umgeben von in Zweierreihen angeordneten Papyrussäulen und sieben Meter hohen Königsstatuen, bei denen auch die Rückseiten einen Blick lohnen (erstes Foto links). Besonders sehenswert das Relief an der rechten Südwand: Es zeigt die Originalfassade des Tempels mit flaggengeschmücktem Pylon sowie den sechs Ramses-Statuen und den beiden Obelisken. Aber auch die unter Königin Hatschepsut (ca. 1498-1483 v. Chr.) erbaute, nach ihrem Tod von Thutmosis III. (ca.1504-1450 v. Chr.) usurpierte dreigeteilte Kapelle zur Huldigung der Götter-Familie in der Nordwestecke des Hofes lohnt einen Besuch. Übrigens wurden die Reliefs erst unter Ramses II. gefertigt. Im nordöstlichen Teil des Hofes ragt die Moschee des Abu El Haggag auf, aus der zu den Gebetszeiten die Gläubigen zu hören sind.

Verläßt man den großen Hof durch das Nordtor folgt der Säulengang von Amenhotep III., dessen Reliefs des Opet-Festes unter Tut-ench-Amun (ca. 1334-1325 v. Chr.) entstanden sind. Teile davon wurden von Haremhab (ca. 1321-1293 v. Chr.) usurpiert. Wunderschön das Relief mit den verschlungenen Stengeln der Papyrus- und Lilien-Pflanzen, die die Vereinigung von Ober- und Unterägypten symbolisieren und die zauberhaften Sitzstatuen eines jungen Paares, das vermutlich Tut-ench-Amun und seine Frau Anchesenamun darstellt (Fotos links). Nach dem Passieren des Ganges erreicht man den Zweiten Hof (52 x 46 m) mit seinen Säulen und Architraven, der für unser Empfinden eine ganz eigene Stimmung ausstrahlt. In diesem Hof wurden übrigens 1989 durch Zufall die Statuen und Sphingen entdeckt, die heute im neuen Saal, der "Cachette", des Luxor-Museums ausgestellt sind, u.a. eine Granit-Statue Amenhotep III. sowie Figuren von Haremhab, der Göttin Hathor und des Gottes Amun.

Der Zweite Hof führt nun in das Herz des Tempels: In die Vorhalle mit ihren 32 reich verzierten Papyrusbündelsäulen; in den Vorsaal, deren acht Säulen der römische Kaiser Diocletian (284-305 n. Chr.) entfernen ließ, um den Saal in einen römischen Tempel umzubauen. Dieses "Sacellum" gehörte zu seinem in Luxor stationierten Truppenlager, in dem er sich anbeten ließ. Nach diesem etwas seltsam anmutenden Teil erreicht man den Saal mit dem Opfertisch für die Heilige Barke, daran anschließend das Allerheiligste, in dem sich Alexander der Große (332-323 v. Chr.) auf Reliefs an den Stirnseiten des Granitschreins bei Kulthandlungen und seiner Krönung durch Amun darstellen ließ. Am Ende des Tempelkomplexes quer zur Achse schließlich noch der Opfertischsaal und drei kleine Kapellen.

Auf keinen Fall sollten Sie die Reliefs im sogenannten Geburtsraum östlich neben dem römischen Tempel verpassen, auch wenn sie nicht mehr sehr gut erhalten sind. Die Szenen zeigen den Mythos der Geburt Amenhotep III., zugleich die Schöpfungsgeschichte, die die christliche Weihnachtsgeschichte beeinflußt hat: Amun, der Gott der Götter, wählt Königin Mutemweje aus ihm einen Sohn zu gebären, schickt Thot mit dieser Botschaft zu ihr und läßt Chnum auf seiner Töpferscheibe sein Ebenbild formen. Beschützt von Göttern erblickt der Knabe (Amenhotep III.) das Licht der Welt, vom Schöpfer als Sohn anerkannt und zum König gekrönt.

So wie überall wird auch am Luxor-Tempel ständig weiter gearbeitet. Beispielsweise werden zur Zeit militärische Gebäudereste aus der Römerzeit geborgen und restauriert. Streunen Sie ruhig auch ein wenig außerhalb der Gebäude-Komplexe herum, dort gibt es jede Menge Fundstücke zu sehen. Aber natürlich gilt auch hier die eiserne Regel: Nichts berühren! (Text Antje Sliwka, Fotos Antje und Wolfgang Sliwka)

Öffnungszeiten:
Sommer 07.00 bis 22.00 Uhr, Winter 07.00 bis 21.00 Uhr
Eintrittspreis:
20 LE

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