English Version
 
Ägypten aktuell
West Bank Stories
Gut zu wissen
Sehenswürdigkeiten
Hotels
Restaurants
Ferienwohnungen
Shops
Service-Anbieter
Spezial-Touren
Marktplatz
Ägypten-Links

Archiv

Kontakt
Sitemap

 

 

 

 

 

Das Restaurant "ZamZam"
- Teil II -

Geerbt hat Mohamed sein Händchen für die Flußbewohner wohl von seinem Vater. Hinter dem Restaurant, gleich neben den Häusern seiner Familie, finden sich die Reste alter Kanäle und ein altes Pumpenhaus zur Bewässerung der umliegenden Felder. Heute mutet das kleine Gelände bei einbrechender Dunkelheit wie ein Märchenwald an (Fotos rechts), in dem jeden Moment Feen, Kobolde oder Wassernymphen ihre Spiele treiben könnten. "Hier hat mein Vater früher viele Fische gefangen. Von ihm habe ich alles über Fisch gelernt", erzahlt der selbsternannte Spezialist, der früher einmal als Rezeptionist in Luxor im Hotel "Salam" und im Restaurant "Marhaba" gearbeitet hat. Gelernt hat er von Papa eine Menge.

Heute bezieht Mohamed seine "Fluss-Kameraden" alle zwei Tage fangfrisch aus Esna, rund 55 km südlich von Luxor. "Hinter dem Damm ist das Wasser sauberer, die Fische sind gesund", schwört er. Und auch größer, was wichtig für ihn ist. Welche Fische er serviert? Sofort kommt eine lange Antwort auf Arabisch, von der wir kein Wort verstehen. Da vertrauen wir Mohamed einfach.

Nun haben wir soviel über Fisch geschrieben - gegrillt, im Tagen, der irdenen Schüssel, gegart, oder auch in Öl gebacken. Doch natürlich bietet der Einzelgänger der Gastronomie auch gegrillte Hühner (äußerst schmackhaft, wir aßen sie bei der Hochzeitsfeier von Mohameds Schwester Sakina) und von der Familie gezüchtete Tauben an, auf vorherige Anmeldung auch Fleischgerichte. Serviert werden Menüs mit lecker angemachtem gemischtem Salat und Brot, dann folgt das Hauptgericht mit Reis. Achtung: Dabei ist fast immer Knoblauch im Spiel. Als Nachspeise gibt es Obst der Saison. Eben alles schlicht und einfach - aber.einfach gut!

Wir haben soviel Lob ausgeschüttet, dass Sie sich fragen werden: Warum dieser vorsichtige Beginn der Geschichte? Die Antwort ist einfach, aber mehrschichtig. Für Ägypten-Neulinge wirkt der Platz nicht besonders einladend. Alles gibt sich im Stil eines der unzähligen sehr einfachen Kaffeehäuser. Ein mittlerweile teilweise begrüntes Gelände als Terrasse mit ein paar Tischen, Bänken und Plastik-Stühlen für maximal 30 Personen. Drinnen ein kleiner Raum mit Platz für bis zu 20 Gäste, die sich wiederum auf Plastik-Stühlen eng aneinanderdrängeln. Die ungestrichenen Wände "strahlen" immer noch im Grau des Putzmörtels. Um das zu ändern fehlt Jung-Unternehmer Mohamed im Moment aber das Geld.

Wie für eine andere wichtige Einrichtung - ein WC. "Die Ägypter gehen eben einfach um die nächste Ecke", entschuldigt sich Mohamed schamhaft. Geplant hat er die Einrichtung eines solchen Eckchens schon seit Monaten. Aber woher die nötigen Pfunde nehmen? Da schließt sich wieder einmal ein Teufelskreis. Denn ohne WC kommen 00 Reisegruppen ins "ZamZam".

Und unsere eigene Erfahrung kommt hinzu. Wenn wir Verwandten oder Freunden bei Ägypten- Besuchen das wirkliche Leben - und dazu gehört das "ZamZam" - zeigen wollen, ist meist die erste Antwort: "Das trauen wir uns nicht, wir sind zur Vorsicht gemahnt worden. Ihr lebt ja schon seit Jahren hier, seid abgehärtet." Da schwingt die Angst vor der vielbeschworenen mangelnden Hygiene mit.

Sicher, wir leben seit fast fünf Jahren in Ägypten. Aber auch vorher haben wir während vieler Urlaube Orte wie das "ZamZam" besucht, haben auf Bazaren und bei Familien gegessen, von Geschirr, das im Nil gespült worden war. Ohne Vorbehalte. Uns ging es immer gut - Probleme hatten dagegen häufig Reise-Bekannte in Häusern mit vielen Sternen. Vieles ist eben eine Frage des Kopfes, der Einstellung. Und häufig sind - wie im "ZamZam" - die hygienischen Bedingungen in der Küche genauso gut, wie bei Ihnen zuhause. Das bestätigten uns nicht zuletzt die erwähnten Ärzte, die Stammkunden des Restaurants sind, teilweise als Vertragsärzte für europäische Reise-Veranstalter arbeiten.

Also trauen Sie sich doch einmal ein kulinarisches Abenteuer zu. Einfach, urig, rustikal. Vergessen Sie alle Vorbehalte und genießen Sie einfach. So wie wir es mehrfach getan haben und es wieder tun werden. Guten Appetit.

Ach so, da haben wir noch einige kurze Anmerkungen.

- Die Geschichte mit der Gasflasche war natürlich eine Ausnahme. Normalerweise klappt der
  Service im "ZamZam" reibungslos.
- Der Name "ZamZam" geht auf den Namen des heiligen Brunnens nahe Mekka zurück, aus dem
  Abrahams Zweitfrau Hagara ihren Sohn Isaak in der Wüste ernährt hat. Der Brunnen ist heute
  ein wichtiger Ort während der großen Pilgerfahrt, dem Hag. Mohamed: "Ein Ort, den ich einmal
  besuchen möchte." Ist der Glaube an diesen Namen und dessen wundersame Wirkung ein
  weiteres Geheimnis des "ZamZam"?
- Im "ZamZam" werden Sie mehrere große Fotos von Bob Marley sehen, auch häufig seine Musik
  hören. Mohamed ist ein Marley-Fan. "Er singt von Freiheit, Akzeptanz und Verständigung. Dafür
  lebe auch ich", sagt der sonst immer lustige Mohamed plötzlich ganz ernst. Glauben Sie ihm -
  nicht nur beim Fisch.

 

Informationen:

Lage: Vom Nil aus der Hauptstraße bis zum Kontrollpunkt der Polizei in Neu Qurna folgen, links Richtung Esna abbiegen. Nach ca 1,5 km kurz hinter der El Ezba-Brücke rechts liegt das "ZamZam"

Preise: Menü LE 25, Soft Drinks (Cola, Mango- oder Limonen-Saft, Tee, Nescafe) LE 2, Stella Bier LE 8 (bitte bei Ankunft bestellen, da es nicht vorrätig ist, im Fastenmonat Ramadan wird kein Bier serviert), lokale Weine auf Vorbestellung, Spezial-Menüs auf Anfrage

Öffnungszeiten: Täglich 12 Uhr mittags bis ca. 3 Uhr morgens

Kontakt: Zu erreichen ist Mohamed unter der Telefonnummer 0020-95-2426367. Bei Interesse eines Kontaktes oder Reservierung für Gruppen mit besonderen Wünschen können Sie auch den Kontakt-Button dieser Website nutzen, wir geben Ihre Anfrage gern weiter (bitte einige Tage vor der geplanten Reservierung)

Service: Mohamed organisiert auch Touren, veranstaltet Ihre Party nach Wunsch mit Live-Musik. Kontakt wie beschrieben

Die Dekoration zeigt wofür Mohameds Herz schlägt: Für Fisch und Bob Marley

Hier gehts zurück zum ersten Teil

Druckversion