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Das Restaurant "ZamZam"
oder die Magie des Einfachen
- Teil I -

Dies soll und kann keine übliche Beschreibung eines Restaurants sein. Dies ist eine Hommage an einen Außenseiter, einen Mann, der eigene Wege geht. Ein Loblied auf sein Lokal, so unscheinbar es auch aussieht, und auf seine Speisen. Wir schreiben dies aus ganz persönlicher Sicht, denn anders ist das Restaurant "ZamZam" nicht zu erklären - und schon überhaupt nicht sein Geheimnis. Denn der Name "ZamZam" steht auch für die fast magische Besonderheit des wirklich Einfachen.

Um gleich auf den Punkt zu kommen. Das besondere Einfache des Restaurants ist Fisch! Fisch aus dem Nil! Den nämlich serviert Mohamed Ahmed Hamam während des ganzen Jahres. Damit macht er sich zum gastronomischen Einzelgänger auf der West Bank. Denn Fischgerichte im Sommer zu servieren, und dann noch Fisch aus dem Nil - das ist schlicht verpönt.

Kommen Sie mit uns in das einfache "ZamZam". Vergessen Sie einmal alle Vorurteile, alle Hinweise und Tipps, was man so alles nicht machen sollte. Lassen Sie sich mit uns ein auf ein kleines kulinarisches Abenteuer. Nebenwirkungen dieser "Fisch-Kur" sind nach ärztlichen Angaben und unseren eigenen Erfahrungen praktisch ausgeschlossen. Eine Gefahr droht jedoch: Sind Sie Fischliebhaber könnten Sie süchtig werden.

Am späten Nachmittag eines heißen Tages im August. Wir haben uns gegen 17 Uhr mit Mohamed verabredet, um vor dem schwindenden Sonnenlicht ein paar Fotos zu schießen. Er wässert gerade das, was er seine Terrasse nennt, bindet so den Staub des Tages. Eine breite Einfahrt mit einem Boden aus Nilschlamm (Fotos oben). Die Erde ist glitschig, aber so früh kommen sonst keine Gäste. Und nach einer Stunde ist sowieso alles abgetrocknet.

Es folgt der übliche small talk bei einer Cola, wir machen unsere Fotos. Doch dann wird Mohamed aufgeregt: "Was wollt Ihr essen? Ich habe Huhn, Taube..." Und was noch? "Fisch!" Natürlich wollen wir als ehemalige Küstenbewohner Fisch. Wieder einmal. Eigentlich hätte er uns nach mehreren Besuchen überhaupt nicht zu fragen brauchen. Wichtig ist nur: "Gegrillt oder im Tagen oder in Öl gebacken?" Wir entscheiden uns diesmal für gegrillt.

Mohamed verschwindet in seinem kleinen Häuschen, in der Mini-Küche, in der sich zwei Personen fast nur in stetem Körperkontakt bewegen können. Salat wird vorbereitet, Reis - und natürlich die Fische. Als er wieder auftaucht, stockt uns der Atem. Erwartet er noch mehr Gäste? Soll das etwa alles für uns sein? Mohamed garniert die "Außenbords-Kameraden" auf seinem neuen, mit Gas betriebenen Grill. Bald duftet nach es einer leckeren Mahlzeit. Doch dann folgt ein Debakel.

Die Gasflasche ist leer. Ein Herd, ein Grill, der nicht funktioniert. Und Gäste warten, sogar Leute, die über ihn schreiben wollen. Ein Alptraum, Horror-Stunde im "ZamZam". Nach einer neuen Gasflasche aus der Nachbarschaft wird gerufen, wie aus dem Nichts erscheinen fleißige Helfer, die sie anschließen wollen. Doch alle Liebesmüh' ist vergebens. Es funktioniert nichts.

 

Essen vergessen? Weit gefehlt. In Windeseile aktiviert Mohamed seinen alten kleinen Gartengrill mit Holzkohle. Mit dem hat er vor knapp einem Jahr sein Geschäft begonnen. Wenig später serviert er uns etwas verlegen den Fisch, dazu den Reis, Salat und Brot hatten wir schon vorher. Erinnerungen an unseren ersten Besuch kurz nach der Eröffnung werden wach. Improvasation ist ein Geheimnis des "ZamZam".

Denn nach Rezepten kochen hat Mohamed nie gelernt. Das interessiert ihn auch nicht. "Ich koche das, was mir schmeckt. Natürlich probiere ich gern ein bisschen herum, aber nach einem Rezept würde ich mich nie richten", erzählte uns der Besitzer, Manager, Koch, Kellner und Gärtner des "ZamZam" schon bei unserem ersten Besuch. Daran hat sich seitdem nichts geändert. Fisch a la ... gibt es nicht. Oder doch. Fisch a la Mohamed Ahmed Hamam. Und der ist jedesmal anders gewürzt. Aber eines bleibt: Er schmeckt frisch und saftig, ist fleischig. "Ich liebe große Fische. Und die Leute von der West Bank lieben kräftige Speisen. Da sind die das Beste", erklärt der Junggeselle seine Philosophie.

Damit hat er sich innerhalb von wenigen Monaten im Dorf El Ezba den Namen "Fischmann" verdient, liefert seine Speisen in viele ägyptische Haushalte, darunter auch an Ärzte. Französische Archäologen zählen zu seinen Stammkunden. Auf der West Bank lebende Ausländer haben den Platz entdeckt. Familienfeiern finden hier statt, denn hinter dem kleinen Häuschen hat Mohameds Familie noch ein großes Freigelände. Und ab und zu verirren sich sogar Touristen ins Restaurant "ZamZam". Der "Fischmann" beginnt sich frei zu schwimmen. Dank der Magie des Einfachen.

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