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100 Kilometer laufen - von Pyramide zu Pyramide

Vor drei Jahren wurde er ins Leben gerufen: Der "100 km Pharaonenlauf" vom Fayoum nach Sakkara. Dabei folgen die Teilnehmer, Langstrecken-Spezialisten aus aller Welt, als Einzelkämpfer oder im Team einer historischen Strecke, die sozusagen "gespickt" ist mit den Pyramiden südlich von Kairo. Der Ursprung des Rennens geht auf die Regierungszeit von Pharao Taharqa (ca. 690 - 664 v. Chr.) zurück. Der nämlich ließ damals auf fast identischer Strecke seine Soldaten trainieren und veranstaltete zum sportlichen Ansporn auch Rennen für seine Mannen. Belegt ist dieser historische Wettkampf durch eine Inschrift, die der Ägyptologe Ahmed Moussa 1977 auf einem Stein entdeckte. Eine Sensation. Sensationell aber auch die hieroglyphische Überlieferung der damals gelaufenen Zeit: Acht Stunden benötigte einst der schnellste Soldat für die hundert Kilometer. Eine Zeit, die auch heute noch weltmeisterliches Format hätte. Wie der dritte "Pharaonenlauf" ablief und ausging, beobachtete für uns die deutsche Journalistin Ingrid Wecker aus Münster, die neuerdings die Wintermonate bei uns auf der West Bank verbringt und auf alles neugierig ist, was sich so im Land tut.

Nach dem Start vor der Hawara-Pyramide von Amenemhet III. (ca. 1842 - 1797 v. Chr.) ging es zunächst durch Wüstengebiet zur Pyramide von Meidum von König Huni (ca. 2637 - 2613 v. Chr.). Später passierten die Läufer auf ihrem Weg durch die Dörfer des Nil-Fruchtlandes die zusammengefallenen El Lisht-Pyramiden von Amenemhet I. (ca. 1991 - 1962 v. Chr.) und dessen Sohn Senwosret I. (ca. 1971 - 1926 v. Chr.). Bergauf kämpften sie sich dann zum großartigen Dahshur-Plateau, wo die Knick-Pyramide und die Rote Pyramide, beide unter König Snofru (ca. 2613 - 2589 v. Chr.) errichtet, zu bewundern waren. Von hier aus richteten die Teilnehmer schon einen sehnsüchtigen Blick gen Norden auf das Ziel vor der berühmten Stufenpyramide von Sakkara, der ersten Pyramide und dem ersten Steinbau dieser Größe in der Welt überhaupt. Auch das vom genialen Architekten und Arzt Imhotep für König Djoser (ca. 2668 - 2649 v. Chr.) entwickelte Monument liegt auf einem Hochplateau. So verlangte der lange Anstieg zum Schluss des Rennens von den Läufern wahrlich alle Reserven und vermutlich hatte manch einer von ihnen schon keinen Blick mehr für die antiken Sehenswürdigkeiten.

Chance für Miteinander leider vertan

Es ist schon eine tolle Idee der Organisatoren von Event Sport, das historische Rennen wieder aufleben zu lassen. Eine große Chance gleichzeitig, sportliche Wettkämpfe als völkerverbindendes Instrument herauszustellen, das Ganze noch vor dem Hintergrund der großartigen und beeindruckenden Geschichte des Landes, von der sich alle Läufer, vor allem diejenigen, die zum ersten Mal in Ägypten waren, mehr als beeindruckt zeigten. Für die Kulturinteressierten unter den Teilnehmern hatte die Organisation außerdem an zwei Tagen vor dem Rennen eine ausführliche Besichtigungstour durch Kairo und ins Umland zu den großen geschichtlichen Highlights angeboten, die kaum zu wünschen übrig ließ.

Doch trotz aller Begeisterung für Sport und Kultur gab es auch reichlich Kritik der Teilnehmer, die sich vor allem darauf richtete, dass die ägyptische Bevölkerung, durch deren Wohn- und Lebensgebiete der Lauf führte, wohl in keiner Weise vorher über den Lauf und seine Hintergründe informiert worden war. Und so gab es reichlich Staunen, Neugier, aber auch Unverständnis und mitunter Ärger bei den Menschen, als die Läufer mit ihrem chromblitzenden Tross an Begleitfahrzeugen durch die Landschaft zogen. Eine wahrlich verpasste Chance. Denn mit mehr Information und Einbeziehung der Bevölkerung in das Ereignis ließe sich daraus ein echtes Highlight auch für die Menschen an der Strecke machen. Ägypten ist mit Sicherheit ebenso sportverrückt wie jede andere Nation. Und zudem sind die Menschen wahrscheinlich in den teilweise sehr armen Gebieten, durch die der Lauf führte, dankbar für jede Abwechslung.

Hätte man die Menschen vorher in den Dörfern gründlich informiert, hätte man sie zum beispiel Verpflegungsstände aufbauen lassen und zur Mithilfe bei der Streckenabsicherung gebeten, wäre wahrscheinlich schon ein sehr viel anders Bild entstanden. Und sicher wären alle Teilnehmer bei entsprechender Vorinformation im Gegenzug bereit gewesen, die örtlichen Sportklubs oder Schulen mit Spenden, etwa Fußbälle oder sonstiges Sportgerät, zu unterstützen. Dann hätte man wahrscheinlich gemeinsam ein wirklich völkerverbindendes und schönes Sportfest feiern können, bei dem vielleicht sogar die ein oder andere Freundschaft geschlossen worden wäre. Doch so blieb bei vielen Teilnehmern aus dem Ausland ein mehr als schaler Nachgeschmack, der sich in Läuferkreisen schnell herumsprechen wird, zudem auch noch einige andere organisatorische Mängel zu beklagen waren. Schade! Das Team von Event Sport muss sich bei der Vorbereitung des nächsten Laufes im November 2004 dringend einige Gedanken machen und handeln. Sonst wird eine große Chance, die unendlich viel Spielraum für gute Ideen und positive Effekte bietet, verspielt...

Das Teilnehmerfeld beim 3. Pharaonenlauf war international bunt gemischt. Neben den Gastgebern aus Ägypten waren Langstrecken- Freaks aus vielen Ländern zu diesem Ereignis angereist: Aus Saudi-Arabien, aus Marokko, den USA, den Niederlanden und Deutschland, aus Großbritannien und Schweden, aus Italien und sogar aus dem fernen Japan. Der 26jährige Masaharu Wakayama aus Kyoto (Foto links) war als Einzelläufer unterwegs, kämpfte sich nach etwas über 14 Stunden zwar als Letzter ins Ziel, wurde aber beim abschließenden Gala-Dinner im Hotel InterContinental Pyramids Park in Kairo begeistert empfangen und bejubelt wie ein Sieger. Launiger Kommentar des stets gut aufgelegten Japaners: "Ich hatte so doch viel mehr Zeit als die Anderen, das Rennen zu genießen."

Die Ergebnisse

Beim 3. Pharaonenlauf lief der 31jährige Ägypter Mahmoud Dehaise (Foto rechts) am schnellsten: 8 Stunden, 34 Minuten benötigte er für die 100 Kilometer. Der Sieger des ersten Pharaonenlaufs unterbot dabei seinen eigenen Streckenrekord um gut eine Minute. Vom Start weg hatte er die Führung im Feld der 13 Einzelläufer ubernommen und war am Ende fast eine Stunde schneller als der Zweitplatzierte, der 21jährige Oliver Lechtenfeld aus Deutschland (Foto rechts mitte und oben links mit dem Poster), der in Ägypten erst seine zweiten 100 km-Lauf absolvierte. Auf Rang drei mit weiteren rund 30 Minuten Rückstand auf den Sieger folgte der 43jährige Brite Howard White. Der älteste Teilnehmer im
Feld, der 62jährige Adriano Leidi aus Italien, kam mit einer Zeit von knapp über 10 Stunden ins Ziel.

Neben den Einzelläufern gingen auch neun Teams mit jeweils fünf Läufern auf die Strecke, die sich die 100 km "teilten". In dieser Kategorie gab es einen ägyptisch-deutschen Sieg: Mohamed El-Hamamy, Mohamed El-Morsy, Ali Hammad, Mahmoud Taha und die deutsche Läuferin Gertraude Harder erreichten die Sakkara-Pyramide in einer Gesamtzeit von 6 Stunden, 52 Minuten. Über eine Stunde länger benötigte das zweitplatzierte Team, eine gemischte Mannschaft mit den drei deutschen Läufern Martin Habig, Dieter Grosch und Richard Fehrenbacher sowie dem Briten Martin Lumb und dem Ägypter Maged Mahrous. Rang drei ging mit 8 Stunden, 24 Minuten an ein deutsches Team mit Franz-Leopold Allnoch, Thomas Jaeger, Robert Koelm, Gerhard Schwarzbach und Jutta Lux.

Ingrid Wecker

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