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Papyrus
- vergöttert, vergessen, Für die Herstellung des ersten "Papiers" der Welt diente jedoch nur das Mark. Daraus wurden die beschreibbaren Papyrus-Blätter hergestellt, die für Ägypten zu einem wichtigen Wirtschaftsfaktor wurden. Denn schließlich interessierten sich auch andere Völker aus dem Mittelmeerraum und dem Vorderen Orient dafür. Papyrus wurde zum Export-Produkt. Und die Herstellung zum Staatsgeheimnis. In keinem Grab, keinem Tempel gibt es detaillierte Darstellungen über die Herstellung des Papyrus, der erst in Blättern gefertigt und dann zu Rollen zusammengeklebt wurde. So entstanden Papyri von 40 Metern Länge wie das Papyrus Harris, das die Taten von Ramses II beschreibt. Aber Papyrus ist eine Sumpf-Pflanze, die sehr viel Wasser braucht. So begann ihr Ende, als mit den Arabern das Pergament und die Kultivierung der Sümpfe ins Land kam. Papyrus starb in Ägypten aus. Und damit auch die Kunst, die Schreib-Blätter herzustellen. Bis Dr. Hassan Ragab kam, der Mann, der Papyrus zurück nach Ägypten brachte. Er machte aus einer vergessenen Tradition eine neue Industrie. Als wir ihn zuletzt trafen, saß er hinter seinem Schreibtisch auf seinem Hausboot. Immer noch mit blitzenden Augen. Immer noch voller Ideen. Immer noch kritisch. Immer noch stolz auf sein Lebenswerk. Dr. Hassan Ragab. Ein Mann, der auch mit 90 Jahren noch voller Tatendrang war. "Ich hatte bei der Regierung keine Zukunft mehr", begründete der gelernte Elektro-Ingenieur seinen Austieg aus der Diplomaten-Karriere 1968. Also stieg er in die Papyrus-Karriere ein. Hintergrund: 1956 wurde er erster ägyptischer Botschafter in China. "Wir wurden damals von netten Leuten zu Rundfahrten eingeladen", erzählte er. Eine führte in ein kleines Dorf. "Dort stellte eine Familie nach alter Tradition Papier her, das schließlich dort erfunden wurde. Davon lebte sie." Für Dr. Ragab wurde dort die Idee geboren, in Ägypten wieder traditionelles Papier, eben Papyrus, zu produzieren. Diese Idee ließ ihn nicht mehr los. Konkrete
Formen nahm sie Anfang der 60er Jahre an. Zurück in Kairo wollte
er mit Bambus als Rohmaterial beginnen. "Aber das war viel zu teuer",
erinnerte er sich. "Deshalb kam ich auf die Idee mit dem Papyrus.
Aber nun gab es zwei Probleme. In Ägypten gab es keine Pflanzen mehr.
Außerdem gibt es keine Aufzeichnungen, über die Herstellung
der Papyrus-Blätter." Probleme, bei denen die meisten aufgegeben
hätten. Nicht jedoch der tatendurstige Hassan Ragab. Erste Versuche
mit Samen Papyrus zu züchten scheiterten. Dann holte er Pflanzen
aus dem Sudan. Mit Erfolg. "Nach einem Jahr hatte ich meine ersten
eigenen Pflanzen." Der Anfang der Wieder-Entdeckung des Papyrus war
gemacht. Also begann er zu experimentieren, kleine Informationen bei Experten zu sammeln, Vergleiche seiner Papyrus-Blätter mit denen aus pharaonischer Zeit anzustellen. So näherte er sich in Struktur und Qualität Stück für Stück dem Original an. Bis er sicher war, daß er den richtigen Weg der Technik gefunden hatte. "Das hat drei Jahre gedauert. Und mein Geld war nahezu weg", erzählte er bedauernd aber auch stolz. Schließlich hatte er sich allein durchgekämpft, gründete eine kleine Werkstatt, ließ seinen Papyrus von Kunststudenten und Künstlern per Hand bemalen und verkaufte die Blätter mit ganz kleinem Gewinn. Dr.
Ragab erinnerte sich: "Niemand glaubte uns, dass Einer der dem Weg des Dr. Hassan Ragab folgt, ist Sayed Farag vom "Nefertari Papyrus Institut" auf der West Bank von Luxor. Ihn ärgern die Straßenhändler mit der fabrikgefertigten, billigen Massenware: "Denn die verschrecken unsere Kunden." Die wirklich guten Papyri - gutes Material und von Künstlern handgemalte Bilder - haben ihren Preis.Warum erklärt Sayed Farag folgendermaßen: "In Ägypten ist der Anbau von Papyrus staatlich begrenzt, nur mit einer Lizenz möglich. Weil die Pflanze etwa 30 Liter Wasser pro Tag braucht. Und auch der Verkauf hochwertiger Papyrus-Bilder ist lizensiert." Also nichts für Straßenhändler, deren Bilder billige Drucke sind. Denn gute Papyri sind Unikate, jedes Bild unterscheidet sich selbst bei demselben Motiv von dem anderen. Sayeds Bruder Mohamed: "Die Blätter sind bei uns ein Renner." Was zeigt, dass Dr. Hassan Ragab zwar eine alte Tradition wieder begründet hat, seine Nachfolger aber auch noch für neue - oder wieder ganz alte? - Ideen gut sind. Schauen Sie sich auch die Seite des "Nefertari Papyrus Institute" mit einer Auswahl der Arbeiten an, die Sie über uns auch online bestellen können. So wird Papyrus gemacht Es hört sich so einfach an. Für die Herstellung von Papyrus-Blättern werden einfach Streifen des Marks aufeinandergelegt. Fertig ist das Blatt. Denkste. Es gehört mehr dazu. Wie Dr. Hassan Ragab herausgefunden hat. Der Weg im Schnelldurchgang: -
Papyrus wird zwischen Juni und September geerntet, wenn er etwa ein Jahr
alt ist. Der untere weiche Teil des Stengels, etwa 50
bis 60 Zentimeter, wird abgeschnitten, der grüne Bast entfernt. (Text Wolfgang Sliwka , Fotos Antje Sliwka)
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