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Berühmt
und berüchtigt, Eigentlich ist es ganz unauffällig. Weder Hinweisschilder noch bunte Leuchtschriften weisen den Weg. Dabei kommt eigentlich jeder Tourist, der die Totentempel oder Gräber auf der West Bank besucht, irgendwann einmal daran vorbei. Doch wer es nicht kennt, nicht weiß was sich hinter den unscheinbaren ockerfarbenen Mauern verbirgt, wird sich kaum dorthin "verirren".
Ein Haus mit Vergangenheit Doch nicht nur Sheikh Ali, der Platz selbst hatte einen legendären Ruf. Immerhin hatte dort von 1920 an das berühmte "Chicago House" seinen Standort, in dem amerikanische Wissenschaftler ihren Forschungen und Studien nachgingen. Nachdem Ende der 30er Jahre das "Metropolitan House" unterhalb des Hatschepsut-Tempels eingeweiht wurde, das "Chicago House" in die Stadt Luxor umgezogen war, übernahme Sheikh Ali das Gelände mitsamt einem verbliebenen Gebäude, das übrigens noch immer steht - der Eingangs-Bereich des heutigen "Marsam"-Komplexes (Foto oben). Sheikh Ali arbeitete wie nahezu all seine Familienangehörigen seit langem bei Ausgrabungen in der Thebanischen Nekropole. Überwiegend sollen die Arbeiten sehr seriös gewesen sein, von kleinen Räubereien einmal abgesehen, die damals noch nicht per Gesetz geahndet wurden. Aber immer wieder tauchte der Name Rasoul auch bei Erzählungen auf, in denen es um Grab-Räuberei größeren Umfangs ging. Wahr oder unwahr bleibt offen. Eine weitere Berühmtheit war Sheikh Alis Großvater, der zusammen mit dem berüchtigten Abenteurer Giovanni Battista Belzoni das Grab von Setoy I. entdeckt und ausgegraben haben soll. Ein Grab, in dem auch Sheikh Ali arbeitete, einen bisher verborgenen Korridor freilegte, der zu einer bis heute ungeöffneten Tür führt, hinter der er eine geheime Schatzkammer des Königs vermutete. Allerdings gab ihm die Antikenverwaltung keine Erlaubnis, diese Tür zu öffnen. Was sich tatsächlich dahinter verbirgt, ist noch immer ein Geheimnis. Haus der Kunst und Begegnung Der begeisterte Ausgräber und Kunstliebhaber Sheikh Ali wollte nun in seiner Qurna-Residenz einen Platz schaffen, an dem in- und ausländische Wissenschaftler, Forscher, Studenten, Künstler, Arbeiter aber auch Touristen und Einheimische zusammenkommen. Einen Platz, an dem sie ungestört in angenehmer Umgebung diskutieren und ihre Erfahrungen austauschen konnten. Unterstützung für seine Idee bekam er 1941 vom Maler Mohamed Nagui, der in Luxor ein ständiges Kunst-Zentrum mit Atelier (marsam) etablieren wollte. Den passenden Ort fand er bei Sheikh Ali. In einem neuen zweiten Gebäude mit großen Fenstern für gutes Licht wurde das "Luxor's Marsam" (Fotos oben: Das Atelier heute von außen und innen) untergebracht, das andere diente als Hotel. Die Studenten der Kunstakademie sollten dort eine Weile leben und arbeiten, umgeben von den antiken Monumenten ihr historisches Erbe reflektieren. Das "Luxor's Marsam" wurde eine Art oberägyptisches Montmartre, wurde besucht von prominenten ägyptischen Künstlern wie Hamid Said, Salah Taher oder Abbas Shohdi. Aber auch die Ägyptologen, die in der Nähe arbeiteten, entdeckten das "Marsam" und der Architekt Hassan Fathy gehörte zu den Stammgästen. Im "Marsam" herrschte - und herrscht auch heute noch - eine ganz besondere Stimmung, ein ganz besonderer Geist ist dort zu spüren. Kein Wunder also, dass Sheikh Alis Experiment, ein so abgelegenes Hotel zu betreiben, gelang. Auch wenn die Kunst-Akademie verschwand - der Name blieb. Und der Dachgarten bietet bis heute einen sensationellen Ausblick. Nach Westen über den Merenptah-Tempel zu der Berg-Kette mit den pharaonischen Gräbern (Foto rechts), nach Osten über die Felder zu den Memnon-Kolossen und den zur Zeit laufenden Ausgrabungs-Arbeiten am Totentempel von Amenhotep III. Das neue Gebäude wurde für den italienischen Ägyptologen Sergio Donadoni und sein Team gebaut,
Nach dem Abschwung der Aufschwung Mit dem Tod von Sheikh Ali 1987 waren auch die turbulentenZeiten erst einmal vorbei. Denn das Hotel lebte durch die starke Persönlichkeit dieses rührigen Mannes. Sein Erbe, der erst 16jährige Sohn Sayed, konnte da natürlich nicht mithalten. Nach kurzer Zeit der geschäftlichen Flaute ging es ab 1989 aber wieder bergauf. Dr. Horst Jaritz , Direktor des "Schweizerischen Instituts für Ägyptische Bauforschung und Altertumskunde" und sein Team begannen mit den Arbeiten am benachbarten Merenptah-Tempel, wählten das "Marsam Hotel" zu ihrem praktischen und angenehmen Hauptquartier. Auch nach Abschluss der Arbeiten wohnt Dr. Jaritz bei Luxor-Besuchen übrigens in "seinem" Hotel, das in den zwölf Jahren bis zur Eröffnung des Tempels im April 2002 beinahe seine zweite Heimat wurde. Und der legendäre Ruf des berühmt-berüchtigten, begehrt-verehrten Sheikh Ali wird so schnell nicht verblassen. Denn jeder, der etwas länger auf der West Bank, vielleicht sogar im "Marsam" lebt, wird immer wieder einige der manchmal unglaublichen Geschichten über diesen Mann oder über die Rasoul-Familie hören. Und wer immer die erzählt, es schwingt zwischen den Zeilen eigentlich immer auch ein wenig Neid, wenn nicht gar Respekt mit.
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