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Da
laufen sie doch – und Wir fuhren wieder einmal zum Hatschepsut-Tempel. Diesmal in einem extra gecharterten Sammel-Taxi. Diesmal nicht zur Audienz bei der Königin, sondern aus sportlichen Gründen. Auf dem Parkplatz vor dem Tempel startete und endete der 10. Luxor Marathon. Wir wollten Sieger sehen – und solche, die nur wegen des Erlebnisses gekommen waren. Schon auf der Anfahrt sehen wir Läufer, die von Kindern aus den Dörfern begleitet, aber teilweise auch gestört werden. Kein Streckenposten ist weit und breit zu sehen. Nur einige Polizeiwagen fahren wichtig entgegen der Fahrtrichtung vorbei. Irgendwie wirken sie ziellos. Als suchten die Beamten nach interessierten Zuschauern an der Strecke. Eine vergebliche Suche – bis auf die Kinder. Etwa einen Kilometer vor dem Ziel wird die Fahrt stockend. Touristen-Busse quälen sich durch die Absperrungen, die Fahrer wirken genervt, die Fahrgäste blicken gelangweilt bis irritiert auf die Läufer, die sich den letzten Anstieg hochquälen. Freizeit-Läufer, die sich für die kurzen Distanzen von zwölf oder 22 km entschieden haben. Plötzlich rumpelt es hinten im offenen Wagen, wir haben drei neue Fahrgäste. Alle geschmückt mit einer Startnummer auf der Brust. Kurz vor dem Ziel wird heftig an die Trennwand zur Fahrerkabine geklopft – das heißt: Stopp!!! Die drei springen raus und sprinten fröhlich dem Ziel entgegen. Ob's eine persönliche Bestzeit wurde, erfuhren wir nie. Sport auf ägyptisch.
Die leicht
aber stetig ansteigende Straße zum Parkplatz, der majestätische
Tempel ist in Sichtweite. Eigentlich sollten hier Zuschauer die Läufer
anfeuern, ihnen Beifall spenden, sie damit bis ins Ziel tragen. Beifall,
den auch der 500. nach den Strapazen verdient hätte. Doch nur die
nackten Felsen, das Geröll, die Schuttablagerungen des Gesteins bleiben
stumme Zeugen der Anstrengungen der Sportler. Langsam wird Rolf D. Raima (Foto rechts), General Manager des "Steigenberger Golf Resort" in El Gouna, nervös. Er ist seit drei Jahren so etwas wie der Stadionsprecher, soll dem Publikum die ankommenden Läufer melden. Die Kinder interessiert's nicht. Lediglich die Begleiter der Marathonis lauschen seinen Worten.
Schwieriger wird es für Raima mit den nachfolgenden Läufern. Sie sind durchs Ziel, bevor er sie in der für einen Sprecher völlig falsch geordneten Liste gefunden hat. Inzwischen interviewen zwei Fernsehteams den Sieger. Doch um die Welt wird die Nachricht von seinem Erfolg nicht gerade gehen. Dann hat Raima wieder Glück. Die erste Frau wird angekündigt. Startnummer 218. Mit weichen Knien kämpft sich "Oana Chiemi from Japan“ über die Ziellinie, bricht, von Muskelkrämpfen in den Beinen geplagt, zusammen (Foto links unten). Sie wird auf einen Stuhl im Schatten geführt. Kinder umlagern sie, bis die endlich von Ordnern energisch weggescheucht werden: "Emshi!!!" Und Raima verkündet: "New course record! Congratulations!" Die Japanerin hat als erste Frau die Drei-Stunden-Barriere beim Luxor Marathon geknackt, kam nach 2:57,41 Std. ins Ziel, 2:54 Minuten schneller als die Vorjahressiegerin. Kurz danach gibt Raima auf. "Die Lautsprecher-Anlage ist kaputt", und legt resignierend das Mikro beiseite. Allmählich kämpfen sich die Läufer/Innen ins Ziel, mal allein, mal in kleinen Grüppchen. Wieder wird es hektisch im Bereich der Offiziellen. Chef-Organisator Gerd Engel aus Stendal läuft aufgeregt zu Raima: "Siegerehrung um 11.30 Uhr? Okay?!" Muß okay sein, denn hoher Besuch hat sich angesagt. Der Gouverneur von Luxor, General Desouki El Banna, ist für die Siegerehrung gekommen. Artig bieten Kinder der West Bank dem obersten Herrn Luxors eine Folklore-Show. Dann begibt sich der General, umringt und abgeschirmt von Offiziellen und Polizisten, zum Siegerpodest, schüttelt den Gewinnern der verschiedenen Rennen unter den Klängen einer Mini-Big-Band, die ständig etwas schräg aber tapfer den Triumphmarsch aus "Aida" intoniert, die Hände.
Noch immer kommen Marathonis ins Ziel, mittlerweile über vier Stunden nach dem Start. Freizeitläufer aller Altersklassen, die ihren Ehrgeiz stillen wollen. "Er braucht noch etwa eine Stunde", sagt eine Deutsche, die auf ihren Mann wartet. Inzwischen ist auch Rolf Raimas Bruder Adolf eingetroffen. "Er sieht besser aus, als im letzten Jahr", freut sich Rolf und umarmt sein Brüderchen. Dessen zwei Töchter haben den Halbmarathon mitgemacht. Auf der Suche nach Selbstbestätigung. Wie alle anderen haben sie eine persönliche Herausforderung bestanden. Und nur das zählt am Ende.
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