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Kunst-Raum für mehr Miteinander (Teil II)

Verborgene Rätsel

Und das Wichtigste für die Zwei: Ihre Arbeit fordert - so wie es ihr Ziel war - Diskussionen unter den Passanten heraus, setzt spannende Assoziationen in Gang (Fotos oben ägyptische und französische Touristen-Gruppen). Da wird versucht, die in dem Bild verborgenen Rätsel zu entschlüsseln, in den Linien konkrete Figuren (Kamele, Geckos, Krokodile?) herauszulesen, Symbole zu entziffern (christliche, koptische, byzantinische Kreuze?) und die Künstlerinnen auf eine Aussage festzulegen. Aber da ernten sie nur ein verschmitztes Lächeln und die Aufforderung, eigene Assoziationen anzustellen. Denn jeder soll seine eigene Phantasie spielen lassen, das sehen, was die Imagination ihm eingibt.

Und auf die häufig gestellte Frage, weshalb das Bild denn eigentlich so klein ausfällt, gibt es eine einfache Antwort. Shayma: "Die Maße unseres Entwurfs waren viel größer konzipiert, aber wir hätten dann ungefähr vier Wochen Zeit dafür gebraucht." Und Carola konkretisiert: "Wir haben vor unserem Start Tests mit den Kreiden gemacht und herausgefunden, dass die Farben bereits nach einer Woche zu verblassen beginnen. Also mussten wir die Dimensionen soweit reduzieren, dass wir die Malerei in erheblich kürzerer Zeit beenden können. Jetzt können wir unsere Arbeit innerhalb von vier Tagen abschließen, damit das fertige Bild noch ein paar Tage überdauert."

Begeisterung kommt natürlich von den Kindern, von denen Shayma und Carola von Anfang an umringt und genau beobachtet werden. Einige von ihnen (wie Shayma's kleine Freundin auf dem Foto unten rechts) werden das vollendete Kunstwerk bestimmt behüten wie einen Schatz, es mit den geschenkten Kreideresten "restaurieren", um es vielleicht ein wenig länger am Leben zu erhalten.

Besonders für Carola ist die Projekt-Idee aufgegangen. "Ich habe das Gefühl, dass ich jetzt das erste Mal vor allem von ägyptischen Männern als Künstlerin, als arbeitende Frau wahrgenommen werde, nicht mehr nur als ein so begehrtes ausländisches weibliches Objekt," erzählt sie uns zufrieden. Und sie möchte wiederkommen, wieder im öffentlichen Raum Ägyptens arbeiten. Vielleicht gelingt es ihr, eine Neue Idee zu realisieren: Ein gemeinschaftliches Projekt mit ägyptischen Kindern, am liebsten mit Mädchen, um bei ihnen das Selbstwertgefühl zu stärken. Wir wünschen, dass es gelingt, sie Unterstützung bei offiziellen Stellen und Sponsoren findet.

Die Künstlerinnen

Shayma Aziz wuchs in Assiut auf, studierte darstellende Kunst an den Kunst-Akademien der Universitäten in Minya und Luxor. Sie steht kurz vor ihrem Abschluss-Examen an der "Faculty of Fine Arts" in Luxor. Obwohl sie die Linien der pharaonischen Kunst bevorzugt, hat sie ihren eigenen Stil noch nicht gefunden, experimentiert, arbeitet mit Tinte, Pigmenten, Acryl. Aber sie stellte schon in Alexandria, Kairo und Minya Arbeiten der Öffentlichkeit vor. Sie hofft, am "International Festival 2004" in Osnabrück teilnehmen zu können, zu dem die Stadt u.a. Maler, Musiker, Komödianten und Theater-Schauspieler aus aller Welt einlädt. Eine großartige Chance für die junge Ägypterin, die heute in Kairo lebt und arbeitet, nach Besuchen in der Türkei, Marokko und Frankreich weitere Auslandserfahrungen zu sammeln.

Carola Rümper wurde in Bremerhaven geboren, studierte in Osnabrück und Enschede (Holland) Kunst und Literatur. Sie arbeitet als freischaffende Künstlerin in Osnabrück, ihre eigenwilligen Arbeiten stellte sie in Einzel- und Gruppen-Ausstellungen in Osnabrück, Gronau, Enschede, Achenkirch, Rheda-Wiedenbrück, Bad Oeynhausen, Hamm, Oelde, Georgsmarienhütte, Salzgitter, Essen, Münster, Bad Münster am Stein-Ebernburg und Luxor einer breiten Öffentlichkeit vor. Bei den Wettbewerben "kunst in het volkspark" in Enschede und "Das neue Jahrtausend" der Kunst- und Kulturstiftung Georgsmarienhütte ging sie als Preisträgerin hervor. Nach Stipendien der Stiftung Kulturfond, Berlin/Kulturhaus Lukas und im Künstlerbahnhof Ebernburg, Bad Münster erhielt sie von der ägyptischen Regierung das Wafidin-Stipendium, das ihr vom November 2003 bis März 2004 den Aufenthalt in Luxor ermöglicht.

 

Haben Sie auch die "Zwielicht-Zone" in Luxor verpasst?

Enttäuscht von der Publikums-Resonnanz war im Gegensatz zu den beiden Straßenmalerinnen die Gruppe des KünstlerinnenForums Münsterland, die Anfang Februar ihre zweite Ausstellung in der "Faculty of Fine Arts" präsentierte. Unter dem Titel "Twilight Zone" zeigten die deutschen Damen in den Techniken Malerei, Graphik, Collage, Fototransfer, Holzschnitt und Assemblage gestaltete Stoff-Fahnen, die als "Bühne" für einen modernen Tanz dienten. Die in den Tanz einbezogenen Prozesse Geburt, Leben und Tod hoben die Verbindung zur altägyptischen Kultur und ihren Mythen hervor.

Mit 24 durchscheinenden "Säulen" zum Thema zwischenmenschliche Beziehungen in ungewissen, traumbeladenen bis hin zu angstbesetzten Szenarien schufen die acht Künstlerinnen (Beate Ruberg, Liane Sommer, Waltraud Kleinsteinberg, Irmingard Stelter, Elisabeth Fellermann, Gabriele Templin-Kirz, Gina Rohrsen und Ulrike Vetter) eine Zwielicht-Zone, in der die Tänzerin und Choreographin Regina Biermann die dargestellten Szenen in Bewegung umsetzte.

Leider erreichte die Einladung zu den beiden Vernanstaltungen nur eine sehr kleine Gruppe in Luxor, immerhin aber Governeur General Desouky El Banna (Foto links beim Gästebuch-Eintrag). Das lag sicherlich mit daran, dass der Termin sehr unglücklich während des großen islamischen Festes "Eid el Adha" gewählt wurde, an dem auch die Studenten der Fakultät zehn Tage Ferien hatten, die meisten Luxor verließen und zu ihren Familien reisten. Aber auch am leider unzureichenden Marketing-Verständnis der Kunst-Akademie. Denn für Luxor war dieses Kunst-Ereignis wirklich etwas völlig Neuartiges und Ungewöhnliches. Zumal die Künstlerinnen mit ihrem zweiten Projekt zum internationalen Kulturaustausch mit Luxor sich eigentlich zum Ziel gesetzt hatten, den Dialog mit der orientalischen Welt fortzusetzen, um das gegenseitige Lernen voneinander voranzutreiben, trennende Ansichten und Meinungen anzunähern. Schade, dass Luxor eine solche Chance (wieder einmal) nicht genutzt hat.

Aber trotzdem: In zwei Jahren will das KünstlerinnenForum wieder mit einer Ausstellung in Luxor präsent sein, hoffentlich mit mehr Erfolg als in diesem Jahr. (Text und Fotos Antje Sliwka)

Per Pedes und Drahtesel waren die acht deutschen Künstlerinnen unterwegs, finden vor der Kunst-Akademie Luxors wieder zueinander (Foto: Peter Ernst, Studio Ernst, Rheinbach).

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