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Krach auf der West Bank - Teil III
Gerüchte, Gerüchte, Gerüchte Aber die West Bankler glauben natürlich an ganz andere Hintergründe. Natürlich ist wieder von einer Mafia aus Luxor-Stadt schnell die Rede. Der Besitzer mehrerer Hotels und Juwelierläden, dem auch ein ausgedehntes, unbebautes Stück Land auf der West Bank gehört, soll Einspruch gegen die Bebauung erhoben haben. Um freien Zugang zu seinem Areal zu gewährleisten. Aber das ist weit hergeholt. Dann heißt es, die Bosse der Hotels in Luxor Stadt wollten ihren Gästen den freien Blick auf grünes Land bis zu den Bergen am anderen Nil-Ufer bieten. Da störten die Häuser eben. Immer wieder wird dabei das neue "Le Meridien" als Urheber genannt. Vermutungen. Hartnäckig hält sich das Gerücht, dass in dem Gebiet ein Luxus-Hotel geplant sei, eine immense Investition. Da müssen die Kleinen natürlich weichen. Es werden sogar die Namen der ersten Familien Ägyptens als Drahtzieher weitergegeben. Ob es stimmt? Keiner weiß es. Genauso wie keiner wusste, welches Haus als nächstes abgerissen werden sollte, keiner wusste, welches Gebiet genau von den Maßnahmen betroffen sein wird. Voreilig wurde unter der Hand schon verbreitet, das halbe Dorf El Gezira stehe auf der Abschussliste. Klarheit gibt es bis heute nicht. Fehler auf beiden Seiten
Ungewöhnlich für ägyptische Verhältnisse war, dass sich Widerstand regte. An einem Sonntag verhinderten ägyptische Frauen und Männer zusammen mit ausländischen Hausbesitzern mit einer Blockade-Demonstration auf dem einzigen Zufahrtsweg nach Ramlah weitere Abrisse, die kurz darauf jedoch weiter gingen. Ein paar Tage später gab es sogar so etwas wie eine Bürgerversammlung von Hauseigentümern. Sie trugen Parlamentariern und einem Vertreter der Regierungspartei NDP ihre Klagen vor. Wut kam auf. Einer ließ sich sogar zu einem Seitenhieb gegen Präsident Hosni Mubarak hinreißen: "Unser Präsident verurteilt den Abriss von Häusern in Palästina durch Israelis. Aber er weiß nicht, was in seinem eigenen Land vorgeht." Starker Tobak für ägyptische Verhältnisse.
Doch die Fehler wurden auf beiden Seiten gemacht. Von leichtgläubigen Ausländern, West Banklern und der Stadtverwaltung. Wie gesagt, die West Bankler hofften mit dem Verkauf der Pacht-Verträge an Ausländer auf das schnelle Geld. Rund 80 Prozent der Häuser in Ramlah sind mit ausländischem Geld gebaut. Was für einen hohen Polizei-Offizier unmoralisch ist, er den Abriss deshalb befürwortet. Die Ausländer lockte natürlich die Aussicht auf den Nil. Einige bauten sich Häuser als Winterquartier. Wie der Norweger Arnfinn Sorensen. Der 62jährige Pensionär investierte rund LE 500.000 bis sein Winter-Domziel im Rohbau fertig war. "Der Landbesitzer hat mir gesagt, dass der Bau des Hauses erlaubt sei, hat es mir sogar schriftlich gegeben." Nützte nichts, sein Traumhaus liegt nun in Trümmern (Foto unten).
Aber der Großteil der Häuser sollte kommerziellen Zwecken dienen. Appartements, die an Touristen vermietet werden sollten, sollten das investierte Geld wieder einbringen - und noch Profit. Oder Häuser sollten an Ausländer zu saftigen Preisen verkauft werden. So entwickelte sich Ramlah zum Spekulations-Objekt. Der Fehler der West-Bankler und ihrer Investoren. Heute beklagen sie sich, dass die Stadt-Verwaltung und -Regierung die Bauten geduldet hat. "Warum hat man uns nicht bei Baubeginn gesagt, dass es verboten ist? Jetzt verlieren wir vielleicht all unser Geld", kommt immer wieder die Klage. Natürlich liegt hier der Fehler der Behörden. Jahrelang haben sie den Bau geduldet - und wohl auch kräftig kassiert. Doch davon spricht natürlich keiner. Lösung in Sicht? Nun ist Ramlah nicht das einzige Gebiet, in dem illegal gebaute Häuser von der Staatsgewalt abgerissen werden. Von der Mittelmeerküste bis nach Sohag wurden im Spätsommer 2003 über 3.200 Häuser niedergewalzt (offizielle Begründung: wertvolles Ackerland wurde bebaut). Aber das waren Häuser ägyptischer Familien. Der Wochenzeitung "Al Ahram weekly" war das nur eine kurze Notiz wert. Ramlah sorgt dagegen für Aufruhr. "Al Ahram" spendierte diesmal eine ganze Seite für eine Reportage über die Aktionen. Und dann beschäftigten sie eben auch das Parlament. Hintergrund natürlich, dass wohl in keinem anderen Gebiet Ägyptens soviel privates ausländisches Geld (zusammengekratzt, aus Ersparnissen, aufgelösten Lebensversicherungen, dem Verkauf von Immobilien in Europa) investiert wurde. So rückte Luxor plötzlich in den Mittelpunkt der Diskussionen.
Lösungen? Noch gibt es keine endgültigen. Da ist von Plänen die Rede, von unausgegorenen Plänen. Die sehen in etwa so aus. - Erlaubt bleiben die erhaltenen Bauten, dürfen aber nicht höher als zweigeschossig sein. Dazu muss der Außenanstrich einheitlich sein. Eigentums-Verhältnisse bleiben wie gehabt - Die Pächter müssen das Land vom Staat kaufen, zu einem noch unbekannten Preis. Was heißen würde, dass ausländische Investoren, das Land noch einmal bezahlen müssten. Bauvorschriften sind für diesen Fall noch nicht angedacht. - Die noch intakten Häuser dürfen erst einmal bewohnt bleiben, der Staat bietet aber den Bauherren irgendwann in der Zukunft andere Grundstücke mit Investitionshilfen an. Wobei natürlich die Frage auftaucht, wann dafür öffentliches Geld vorhanden ist. Irgendwie scheint die Situation verfahren zu sein. Und sollte tatsächlich das Gerücht stimmen, dass ein Luxus-Resort in dem Gebiet geplant ist, dann haben die Häuslebauer auf längere Sicht sowieso keine Chance. Da hilft es auch nichts, dass inzwischen wieder die Rede davon ist, dass zuerst die Bewohner von Häusern in archäologischen Gebieten an der Grenze zwischen Fruchtland und Wüste umgesiedelt werden sollen. Die Zukunft von Ramlah bleibt trotz der Atempause ungewiss. (Text und Fotos Wolfgang Sliwka)
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