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Krach auf der West Bank - Teil II
Was steckt dahinter? Die Frage kann keiner beantworten, nur die Gerüchteküche brodelt. Von offizieller Seite gibt es wenige vage Auskünfte. Über die Gründe des Abrisses von bisher rund 30 Neubauten am Nil-Ufer, auch zum Vorgehen der Abbruch-Kommandos. Nur eines scheint immer noch festzustehen: Wer in Ramlah in ein Grundstück oder Haus investiert hat, der kann es immer noch verlieren. Rückblick. Noch vor zehn Jahren war der Grünstreifen am Nil Ackerland. Nur einige wenige Häuser waren gebaut worden. Noch vor zweieinhalb Jahren streiften wir von dem inzwischen entstandenen Dorf Ramlah (Foto oben aufgenommen vom Boot aus im März 2003) südlich der öffentlichen Fähre zum Pharaoh Village (gegenüber dem „Novotel“ auf dem Ostufer) nur wenige hundert Meter weiter südlich durch Felder, mussten über Gräben klettern. Land-Idylle. Weite Teile des tiefer gelegenen Gebietes waren im Sommer bei Hochwasser überflutet. In kürzester Zeit ist hier inzwischen eine kleine Satelliten-Stadt gebaut worden. Auf engstem Raum - die Grundstücks-Flächen sind zumeist klein - drängt sich inzwischen entlang des Nils Haus an Haus. Die Grundstücks-Preise schossen in die Höhe. Ackerland war plötzlich wertvolles Bauland. Ein Spiel scheinbar ohne Grenzen hatte begonnen.
Der Eigner ist immer der Staat Denn ein Spiel war es, was die "Besitzer" der Grundstücke trieben. Viele witterten plötzlich das große Geschäft mit Land am Nil. Dabei wusste jeder, dass es der Regierung gehört, als Ackerland ausgewiesen war. Dafür muss für jeden Grad (ca. 175 qm) jährlich Pacht bezahlt werden. So um die LE 250. Kaufte also jemand ein Stück Land zu Grad-Preisen von zeitweise über LE 100.000, so war er nicht Eigentümer des Landes, sondern nur des Pacht-Vertrages. Mit dem war natürlich keine Baugenehmigung verbunden.
Nachdem im nördlichen Ramlah die Geschäfte gut anliefen, Häuser für viel Geld an Ausländer verkauft wurden, ging der Bauboom weiter. Blick auf den Nil? Das gab es dann nur noch südlich der neuen Moschee. Und plötzlich schossen auch hier die Neubauten wie Unkraut aus dem Boden. Ohne Wasser- und Strom-Anschluss. Man hoffte auf dieselbe Entwicklung wie im nördlicheren Teil. Doch nun zerplatzt der Traum vom schnellen Geld (Foto oben ein Teil des Abbruch-Gebiets). "Alle Häuser müssen weg"
Das heißt also, dass Tausende Menschen illegal auf der West Bank leben. Sollen die alle vertrieben werden? "Nein, natürlich nicht", lächelt der General. "Aber Neubauten sind jetzt grundsätzlich verboten." Und was ist speziell mit Ramlah? "In Nag Hamadi nördlich von Qena wird ein Damm gebaut, der in etwa einem Jahr fertig sein soll. Dann steigt hier der Pegel des Nil um fünf bis sechs Meter, Ramlah droht eine Überflutung. Mit dem Abriss wollen wir die Leute nur schützen. Dort sind jetzt Bau und Anmietungen von Häusern verboten." Und dann kommt es: "Alle Häuser in der Gegend müssen weg!" Das erste Argument von El Banna kann kaum ziehen. Ramlah war seit Jahrtausenden Überschwemmungsgebiet. Da sind archäologische Entdeckungen wohl ausgeschlossen. Die Geschichte mit der Überflutung des südlichen Bereichs klingt dagegen unter den derzeitigen Gegebenheiten logisch. Schon jetzt standen einige Rohbauten während des Sommers mit den Fundamenten im Wasser (Foto unen Sommer 2003). Verkauft wird meistens im Winter... (Text und Fotos Wolfgang Sliwka) Hier geht's zum letzten Teil.
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