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Wasserflugzeug - Teil I Mit der Schwimmweste über die Wüste
Die Cessna 206 dümpelt, festgemacht am Ponton auf dem Nil, gemächlich in den Heckseen der vorüberziehenden mondänen Kreuzfahrtschiffe. Sobald ein Passagier einsteigt neigt sie sich beträchtlich auf ihren Schwimmern. Passagiere in ungewohnter Kleidung. Rote Schwimmwesten prangen über Shorts und T-Shirts, die Gäste wirken ein wenig wie Teddybären. Irgendwie wirkt die Szenerie eigenartig. Denn das Ziel des kleinen Flugzeugs ist doch die Wüste.
Das Grün des Fruchtlandes erstreckt sich voraus, dahinter die Berge der Wüste. Aus dem Flugzeug sehen die sonst so imposanten Mauern des Tempels von Medinet Habu plötzlich zierlich aus. Das Ramessum zieht unter uns vorbei - nein wir ziehen darüber hinweg, erkennen den Aufbau der Anlage. Weiter geht es über die Wüste, über das Tal der Könige, den Tempel der Königin Hatschepsut. Wer all das zu Fuß erlebt hat, bekommt plötzlich einen ganz neuen Eindruck. Atemberaubende Ausblicke aus rund 330 Metern Höhe über die Wüste, das grüne Fruchtland bis zum Nil, die Augen können sich kaum satt sehen, die Kameras klicken ohne Ende. Was soll das nur mit der Schwimmweste? Es
geht zurück - wieder über den Nil. Von Süden fliegt Pfingst die
Stadt Luxor an. Hinter dem Grün von Banana und Crocodile Island erstreckt
sich das graubraune Stadtgebiet auf dem Ostufer. Ein Blick von oben auf den
Luxor-Tempel, ein paar Fotos von der Tempel-Anlage in Karnak, die klein und
doch plötzlich so riesig-groß im Verhältnis zu den anderen Bauten
wirkt. Dann senkt sich die Maschine. Ein sanftes Ruckeln und Pfingst wassert
mit seiner Cessna auf dem Strom, schwimmt zu seinem "Parkplatz" in
Karnak. Ein Rundflug über die West Bank und die Stadt, ein aufregendes
Erlebnis.
Und die Schwimmwesten? "Die sind Pflicht, weil wir auf dem Wasser landen und starten“, grient Pfingst. Sie abzulegen ist in der Enge der Cessna fast unmöglich. Und außerdem bleibt dafür bei den vielen Eindrücken auch keine Zeit. Denn der ganze Flug dauert gerademal knapp eine halbe Stunde. Eine Zeit, die sich lohnt. Ausblicke beim "Sightseeing" aus der Luft bieten eben andere Einblicke. Luftbilder oben (Per
Erik Pfingst): Aufbruch auf dem Nil Für den Aufbruch steht Fayez Mohamed Ahmed (Foto links), Chef des Touristik-Unternehmens "Legend of the Nile". Mit zwei Partnern, einer ist Spanier, gründete der 47jährige mit einem Stammkapital von zehn Millionen LE die Tochterfirma "Ln Aviation" für touristische Flüge. Doch der erste Startversuch des jungen Unternehmens endete mit einer Bauchlandung. Der Pilot machte mit einer Cessna 185 bei einem Trainingsflug Bruch. "Wir haben in Ägypten keine Piloten, die für ein Wasserflugzeug trainiert sind", erklärt Fayez den Unfall, der glimpflich verlief. Aber seine Planungen waren dadurch gestoppt.
Fayez und der in Kronberg/Taunus geborene Pfingst sind schon lange ein Team. "Ich war seit 1997 bei den Planungen von Passagierflügen dabei, bin dann voll eingestiegen", sagt der Chef-Pilot, der seit gut zwei Jahren in Ägypten lebt. Nach dem Abitur 1989 und 15 Monaten Bundeswehrzeit begann er 1990 mit der Fliegerei. Flug-Schule in South Carolina, dort und in Texas Jobs als Berufs-Fluglehrer und als sogenannter "Ferry Pilot", der Maschinen überführt, in Texas und später in Deutschland, Reiseleiter in Ägypten, Jordanien, Syrien, Kenia, Namibia. Pfingst ist ein Weltenbummler. Und das Fliegen liegt ihm im Blut. Deshalb fühlt er sich in Luxor auch wohl. "Das Fliegen mit so einer Maschine ist wie vor 50 oder 60 Jahren. Der Pilot muss sich seine Route selbst suchen, die Bedingungen bei Start und Landung richtig einschätzen." Hier wird das Fliegen noch per Hand gemacht, ein Autopilot ist nicht an Bord. Per: "Wer einmal ein kleines Flugzeug, ein Wasserflugzeug, geflogen ist, der kommt nie mehr davon los." Hier geht's weiter zum zweiten Teil. |
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