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Esel-Trip
Teil II
Schlanker
Casanova bekommt Bauch
Wir reiten wieder durch Felder und Dörfer. Ganz allmählich erwacht hier das Leben. Vom Eselrücken können wir durch offene Fenster und Türen in die Häuser spähen. Überall werden wir von den Bewohnern freundlich mit den ägyptischen Willkommens-Worten "ahlan we sahlan" oder "marhabe" begrüßt. Vor allem natürlich von den Kindern, die auch zu so früher Morgenstunde schon nach Bakschisch, nach Bonbons und Kugelschreibern fragen. Geld gibts von uns nicht, aber ein paar Süßigkeiten und Luftballons habe ich wie immer dabei, verteile sie, solange der Vorrat reicht. Nach ungefähr 45 Minuten – je nach Tempo und Gruppengröße kann es auch etwas länger dauern – erreichen wir "Habu City", wie sich das Dorf großspurig nennt, und den Tempel. Haggag hat am Vortag schon die Eintrittskarten für uns besorgt, so ersparen wir uns den Abstecher zum Ticket-Office. Mit lautem "Hosh, hosh" produzieren wir mit unseren Vierbeinern so etwas wie eine Vollbremsung, "parken" sie gegenüber dem Tempel-Eingang. Absitzen. Wieder steht Haggag zum assistieren bereit. "Na, wie war diese Art der Fortbewegung? Spürt ihr euren Allerwertesten, sind eure Beine ein wenig lahm?" frage ich Christel und Karola. "Irgendwie sind meine Beine wie Gummi", sagt Christel und Karola ergänzt: "Auf einem Bürostuhl ist es zwar bequemer, aber lange nicht so lustig und aufregend." So ging es mir bei meinem ersten Esel-Ritt auch. "Dann wart ihr vielleicht zu verkrampft, solltet die nächste Etappe etwas entspannter angehen. Immerhin wisst ihr ja jetzt, wie es geht, braucht keine Bedenken mehr zu haben", muntere ich sie auf. Tja, ein Ritt vorher macht mich fast schon zum Profi, dachten wohl die beiden anderen. Doch die Reit-Pause tut auch mir gut. Nicht nur unseren Muskeln, wir gönnen auch unseren braven Tieren und Haggag diese Rast. Haggag hält Wache während wir die Anlage besichtigen. Wir
folgen einer Schotterpiste, passieren die Ruinen des kleinen Toth-Tempels
und die spärlichen Lehmziegel-Reste von "Malkatta", dem
Wohnpalast von Amenhotep III. und seiner Königin Teje. Diese Königs-Familie
war übrigens eine Ausnahmeerscheinung. Denn normalerweise lebte man
auf der Ostseite des Nils, das Westufer war das Totenreich. Das hat sich
mittlerweile geändert. Wir reiten an vereinzelten Gehöften vorbei,
die wie Mini-Oasen aussehen. Eine dieser Oasen ist das "French House",
wo die französischen Archäologen während der Aber damit kommt es nicht durch. Haggag springt von seinem Esel, ruft ihm den energischen Halte-Befehl "Hosh" zu. Dieses Kommando nimmt aber eher der Unwillige für sich an Anspruch, rührt sich nicht mehr von der Stelle. Natürlich folgt jetzt das aufmunternde Schnalzen. Dies wiederum veranlasst nicht wie gewünscht den störrischen, sondern Haggags auf der Düne wartenden Langohr zum Loslaufen. Eseliges Missverständnis. Höchste Zeit, energisch zu handeln. Haggag greift die Zügel, zieht den Widerspenstigen die Düne hinauf. Danach muss er per Pedes die Düne hinunter und seinen Esel wieder einfangen. Ein Riesen-Gaudi für uns alle. Jetzt sind wir wieder komplett, alle Zwei- und Vierbeiner wieder beeinander. Wir genießen die Stimmung, den Blick in die Wüste, auf die Lehmziegel-Kuppeln des alten koptischen Konvents, der von einer Mauer umgeben in einiger Entfernung wie eine spärlich begrünte Festung in der Einöde anmutet, beobachten eine Reiter-Gruppe auf Araber-Pferden, die wie wir die Aussicht genießen (Fotos unten links).
Nach einer Weile des Genießens von Stille und Wüste blasen wir zum Rückmarsch. Sehr zur Freude unserer Kameraden. Sie wissen genau, dass es jetzt nach Hause geht zu Stall und Futter. Denn sie erhöhen deutlich ihre Laufgeschwindigkeit, die auf dem Hinweg doch manchmal zu wünschen übrig ließ. Sie sind kaum zu bremsen. Und es muss nicht mehr gelenkt werden, sie kennen den Weg.
Wohlbehalten, glücklich und ein ganz klein wenig erschöpft kommen wir wieder in El Gezira an. Immerhin waren wir an die vier Stunden auf ungewöhnlich-ungewohnte Art und Weise unterwegs. Und es wird langsam heiß, wir freuen uns auf unser zweites Frühstück im Schatten unserer Dattelpalme auf dem Dach. Auch wenn wir nach dem Absteigen ein bisschen lahm sind: Ich für meinen Teil könnte gleich morgen den nächsten Esel-Trip starten. Und auch Christel und Karola sind eigentlich nicht abgeneigt, es hat ihnen unheimlich Spaß gemacht. Vielleicht sind Sie ja das nächste Mal auch dabei? Information: Eine ganze Reihe von Eselführern bieten auf der West Bank ihre Dienste an.Sie können in El Gezira im Prinzip fragen wen Sie wollen, jeder hat irgendwen in der Familie, der Esel vermietet. Wer sicher gehen will, fragt Ali im Restaurant "Africa" oder nimmt eMail-Kontakt mit uns auf, wir vermitteln gern zuverlässige Führer mit guten, sicheren Tieren. Für einen vier- bis sechsstündigen Trip müssen Sie pro Esel/Person zwischen 15 und 50 LE, plus den Führer und sein Tier rechnen. Wenn Sie mit dem Ausflug zufrieden waren, freut sich der Führer natürlich über ein kleines Zusatz-Bakschisch. Sie können allein oder in großen Gruppen auf Tour gehen, zu allen Sehenswürdigkeiten reiten. Es ist kein Problem jede gewünschte Zahl an erfahrenen Reittieren bereitzustellen. Und Morgenmuffel können natürlich auch einfach einen Ritt zum Sonnenuntergang in die Wüste unternehmen. Für einen Esel-Trip sollten Sie sich zünftig kleiden: Lange, bequeme Hosen, Schuhe, die Sie unterwegs nicht verlieren, Hemd, Bluse oder T-Shirt mit Ärmeln, Kopfbedeckung. Alles, was Sie mitnehmen wollen, ist am besten in einem Rucksack oder einer Umhängetasche untergebracht. Übrigens auch der Fotoapparat, denn unterwegs haben Sie mit der "Steuerung" Ihres Esels alle Hände voll zu tun! (Text und Fotos Antje Sliwka)
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