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Esel-Trip Teil I Von
Sonnenstrahlen und Langohren Am schönsten
und angenehmsten ist so ein Ausritt am frühen Morgen. Kein Wunder,
dass man um diese Zeit Begleiten Sie mich, Antje, meine Schwester Christel und ihre Freundin Karola auf einem Morgenritt. Ich konnte unsere beiden Gäste – beides übrigens Großstadt-Pflanzen aus Hamburg und Berlin - gleich zu Beginn ihres Urlaubs dazu überreden, obwohl sie doch ein wenig skeptisch waren. Ich habe diese Tour inzwischen mehrfach – meistens allerdings zum Sonnenuntergang – mit städtischen Esel-Neulingen unternommen, alle waren begeistert. Wie abgemacht steht um 6 Uhr früh für jeden von uns ein "ägyptischer Mercedes", wie die Einheimischen Esel gerade gegenüber Deutschen gern scherzhaft bezeichnen, wie verabredet vor unserem Haus bereit. Plus unserem – auch noch etwas verschlafen aussehenden Begleiter Haggag nebst Reittier. Bevor wir aufsitzen aber noch ein Blick gen Osten über den Nil. Wer schon so früh aufgestanden ist, sollte sich einen Moment für den Sonnenaufgang zum Einstimmen auf den Tag auf jeden Fall gönnen, zur Erinnerung ein paar Fotos schießen. Lang dauert es nämlich nicht, denn genauso schnell wie die Sonne am Abend versinkt, steigt sie am Morgen auf. Nur ein paar Minuten und das besondere Fotomotiv ist verpasst.
Für unser Wohlbefinden, unseren Komfort tragen die Esel gepolsterte Sättel (auf den Fotos links, aufgenommen später mit zwei jungen Damen aus Leipzig, gut zu sehen). Haggag ist Kavalier, assistiert uns nicht mehr ganz jungen "Ladies" beim Aufsteigen, denn ganz so klein wie von Ferne sind die Langohren wenn man näherkommt nun doch wieder nicht. Zugegeben, ich habe vorher schon einmal geübt, führe den mir Zugedachten ganz unauffällig an ein kleines Mäuerchen und komme ohne Hilfestellung rauf. Sitzen alle bequem? Dann nichts wie los. Unser
Ziel ist der prächtige Totentempel von Ramses III., Medinet Habu.
Jeder Führer hat für seine Touren seine ganz persönliche
Route, so auch Haggag. Für alle gilt, die asphaltierte Hauptstraße
wenn's irgend geht zu meiden, überwiegend kleine Wege und Straßen
durch die Dörfer und Felder zu wählen. Zum einen ist das für
unbeschlagene Wir reiten zunächst durch "unser" Dorf El Gezira, folgen dann einem Sandweg parallel zur Hauptstraße. Jeder von uns Vieren hat offensichtlich eine andere Ausführung des "ägyptischen Mercedes" zugeteilt bekommen. Christel und Karola die mit der "Basis-Ausstattung", ich die etwas temperamentvollere "C-Klasse" und Haggag – ganz klar – die mit dem "Turbo-Antrieb". Und alle haben auch ihren eigenen Willen. Christels, obwohl nicht der schnellste, will am liebsten die Führung übernehmen. Das gefällt ihr als blutige Anfängerin allerdings überhaupt nicht. "Antje, Antje, reite mal vor", bittet sie. Na klar, gern. Christel ruft "Hosh, hosh", ich lasse anfeuerndes Schnalzen hören. Natürlich verstehen unsere vierbeinigen Freunde die Befehle genau falschherum. Christels gibt Gas, meiner will anhalten. Also ein weiterer Versuch. Ich werde etwas energischer und schon klappt es. Ich ziehe flott an Christel vorbei, übernehme die Spitze. Aber wo bleibt denn Karola? Ich schaue nach hinten, entdecke sie und ihren Esel auf einer Hausveranda. Was gibt es dort wohl besonderes? Leckere Topfpflanzen oder eine Spur zu einer Eselin? Natürlich verrät er es nicht, folgt schließlich wenn auch etwas unwillig Haggag zurück auf den für uns rechten Weg.
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