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Ruhmeshallen
mit bewegter Vergangenheit
Sie
waren für die Ewigkeit gebaut, sollten auf Anweisung der Herrscher
von deren (tatsächlichen oder angeblichen) Großtaten berichten,
steinerne Zeugnisse ihres Ruhms sein. Sie wurden Häuser "für
Millionen von Jahren“ genannt. Die Totentempel der Könige
des Neues Reiches (ca. 1570 - 1070 v.Chr.) auf der West Bank von Luxor.
Doch was für die Ewigkeit gedacht war, überdauerte oft nur
100 Jahre. Von Ehrfurcht vor den Vorfahren war zu ältägyptischer
Zeit spätestens dann keine Rede mehr, wenn deren Hinterlassenschaften
von neuen Herrschern benötigt wurden. Die Totentempel wurden usurpiert,
geplündert, zerstört, für andere Zwecke umfunktioniert.
Wie an einer Perlenkette waren die meisten der über 30 ehemaligen Totentempel an der Grenze zwischen Fruchtland und Wüste über eine Strecke von knapp acht Kilometern aufgereiht. Aber nicht alle hatten nur einen Gründer oder Besitzer. So übernahm Haremhab (ca. 1321 - 1293 v.Chr.) den Tempel seines Vorgängers Eje (ca. 1325 - 1321 v.Chr.) in Medinet Habu, der wiederum zwei Kolossalstatuen seines Vorgängers Tut-ench-Amun (ca. 1334 - 1325 v.Chr.) usurpiert hatte. Tempelklau auf pharaonische Art.
Auch
andere Könige gingen nicht zimperlich mit den Ruhmeshallen ihrer
Vorgänger um. Bestes Beispiel dafür: Merenptah (ca. 1212
- 1202 v. Chr.), der beim Bau seines Tempels die Kultstätte von
Amenhotep III. in der Nachbarschaft als Steinbruch nutzen ließ.
Vom Tempel des Amenhotep blieb schließlich kaum etwas, lediglich
die Memnon-Kolosse zeugen vom einstigen Eingang in den größten
Totentempel der West Bank. Erst in jüngster Zeit wird hier wieder
gegraben, einige Statuen wurden schon
gefunden.
Aber nicht nur in altägyptischer Zeit wurden die Tempel geplündert. Viele, wie der der Königin Hatschepsut (ca. 1498 - 1483 v. Chr.) oder Medinet Habu des Ramses III. (ca. 1182 - 1151 v. Chr.), dienten mit dem Vormarsch des Christentums als Klöster mit entsprechenden Beschädigung etwa durch die Nutzung der Weihestätten als Arbeitsräume. Davon zeugen noch heute die in den Stein gemeißelten koptischen und römischen Kreuze. Später wurden die Sakralbauten auch schon mal als Viehstall oder Unterkunft während der Zeit der Nilschwemme zweckentfremdet. Aber sie dienten auch als Steinbruch. Kalkstein wurde zu Kalk verbrannt, mit den Lehmziegeln der Umfassungsmauern wurden Häuser gebaut. So blieb von vielen Tempeln praktisch nichts übrig.
Mit
dem in Europa aufkommenden Ägypten-Fieber nach dem Feldzug von
Kaiser Napoleon Bonaparte 1798 kamen auch die Plünderer ins Land,
von denen wohl Giovanni Battista Belzoni der bekannteste wurde. Er
stahl unter anderem den Kopf einer Kolossal-Statue von Ramses II.
(ca. 1279 - 1212 v.Chr.) aus dem Ramesseum. Aber auch die Bewohner
von Luxor entdeckten, wie lukrativ der Verkauf von Statuen und Reliefs
aus den Tempeln von Theben West sein konnte.
Geraubt wurde auch noch, nachdem die moderne Archäologie als Wissenschaft Einzug gehalten hatte. Mit den Expeditionen des deutschen Sprachwissenschafftlers Karl Richard Lepsius von 1842 bis 1845, danach des Franzosen Auguste Mariette, der ab 1850 nach Ägypten kam, und vor allem mit den Grabungen des Engländers Wiliam Flinders Petrie ab 1880. Auch Lepsius, Mariette und Petrie brachten zahlreiche wertvolle Stücke nach Berlin, Paris bzw. London.
Erst
nach der Entdeckung des Grabes von Tut-ench-Amun 1922 gelang es dem
ägyptischen Staat, die Räuberei drastisch einzuschränken.
Offiziell gilt sie seitdem als ausgemerzt. Wenn auch immer wieder
davon gemunkelt wird, dass plötzlich neuere Fundstücke irgendwo
auf der Welt angeboten werden.
Die Tempel, die einzigen Steinbauten aus der altägyptischen Zeit, haben eine wechselvolle Vergangenheit. Die Bauten in Theben West, sie waren im Neuen Reich Pflicht für jeden König. Der erste Herrscher, der weit von seinem Grab entfernt ein solches Monument errichten ließ, war wahrscheinlich Amenhotep I. (ca. 1551 - 1524 v.Chr.). Von vielen Tempeln ist nichts geblieben, aber einige Häuser „für Millionen von Jahren“ haben - wenn auch etwas mitgenommen - zumindest über 3000 Jahre einigermaßen heil überstanden.
Wir stellen Ihnen Neuigkeiten und Neurestaurierung der Totentempel von Theben West Stück für Stück vor.
Die Bilder
zeigen von oben nach unten:
- Gesamtansicht
des Totentempels der Königin Hatschepsut, Deir el Bahari
- In Medinet Habu, dem Totentempel von Ramses III. sind die Farben
an den Friesen und Decken noch wunderbar erhalten
- Im Totentempel des Merenptah werden die Fundstücke exakt in
situ präsentiert
- Ein für Totentempel typisches Wandrelief im Ramesseum
- Von der Bergkette
hat man einen phantastischen Blick bis über den Nil. Deutlich
ist die Grenze zwischen Wüste und Fruchtland zu erkennen,
an der die Totentempel gebaut wurden, wie hier das Ramesseum
in der Mitte des Bildes. (Text und Fotos Antje Sliwka)
