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Geheimnisse Teil II

Von Tanwetamani und Tanotamun

So weit ein bisschen schwere Kost. Nun wird's wieder leichter. Oder auch nicht. Es geht um Namen. Und es geht darum, welche wir verwenden. Eine manchmal doch etwas vertrackte Angelegenheit.


Das beginnt schon mit dem Namen der Stadt. Wir sprechen heute von Luxor, im angelsächsischen Raum wird aber auch immer noch häufig der Begriff "Thebes", eben Theben (Foto rechts: Blick über den Fluss - Vom Ost - auf das West-Ufer mit der Fähre, dem Dorf El Gezira, im Hintergrund die Berge, die bestimmt noch manches Geheimnis bergen), verwendet. Auch in der Literatur wird der Begriff "Theben" oft bei der Beschreibung jeder Epoche für die Stadt benutzt. Dabei ist er nur eine dichterische Erfindung.

Die Siedlung auf dem Ostufer des Nil gelangte unter dem Namen "Wâset" schon im Alten Reich (ca. 2686 - 2181 v. Chr.) als Hauptstadt des vierten Gaus zu einiger Bedeutung. Zu Beginn des Mittleren Reiches (ca. 2040 - 1782 v. Chr.) machte sie König Mentuhotep I. (ca. 2060 - 2010 v. Chr.) zur Hauptstadt des von ihm wiedervereinten Staates. Unter Amenemhet I. (ca. 1991 - 1961 v. Chr.) verlor Wâset diesen Status. Erst in der 17. Dynastie (ca. 1663 - 1570 v. Chr.) nahm Wâset, das auch "Nut" oder "No" genannt wurde, im Kampf gegen die Besatzung der Hyksos wieder eine führende Stellung ein. Ihre Blüte erlebte die Stadt dann während des Neuen Reiches (ca. 1570 - 1070 v. Chr.). Aus dieser Zeit stammen die Hinterlassenschaften der Pharaonen.

Den Namen "Theben" erhielt die Stadt durch den griechischen Dichter Homer (etwa 8. Jhdt. v.Chr.) der in seiner "Ilias" vom "hunderttorigen Theben" sang. Die Lateiner nannten sie "Diospolis magna". In moslemischer Zeit war der Name "Al Uqsur", die "Stadt der Paläste", gebräuchlich, woraus schließlich Luxor wurde. Die West Bank war während der antiken Geschichte bis auf die Totentempel der Könige namenlos. Heute gehört der Bereich zwar zur Stadt Luxor, wird aber meist als West Bank oder mit den Namen der einzelnen Dörfer bezeichnet. Der Begriff Theben West bezieht sich überwiegend auf die archäologischen Stätten. So halten auch wir es.

Munter durcheinander geht es auch bei den Namen der Könige. Ramses ist einfach, weil es ein dynastischer Name ist. Aber lange Zeit wurde die griechische Version der Königsnamen verwendet, da unbekannt war, wie die ältägyptischen Namen ausgesprochen wurden. Inzwischen hat eine Umkehr eingesetzt. So wird etwa statt Amenophis wieder mehr und mehr Amenhotep benutzt, statt Sethos oder Seti nun wieder Setoy. Auch wir schließen uns der altägyptischen Form an. Sollte ein Führer die griechischen Versionen benutzen, fragen Sie ihn einfach nach dem ägyptischen Namen, um Missverständnisse zu vermeiden. Wenn sie Glück haben, kennt er beide Versionen.

Noch bunter wird es aber in einigen wenigen Fällen. Haben Sie schon einmal etwas von König Tanwetamani gehört? Oder gar Tanotamun? Wenn nicht, macht das nicht viel. Denn erstmal ist der Herr ein und derselbe, dann hat er auf der West Bank kein Grab hinterlassen. Deshalb wird sein
Name, welcher auch immer, Sie nicht weiter belästigen. Tanwetamani war der letzte nubische Herrscher über Ägypten (664 - 656 v. Chr.). In seine Regierungszeit fällt die Zerstörung Thebens oder Wâsets durch die Assyrer. Was wir sagen wollen, dass ein König in der Literatur manchmal unter zwei verscheidenen Namen geführt, dadurch das Verständnis erschwert wird. Wir werden unsbemühen, in solchen Fällen zumindest darauf zu verweisen, dass ein König unter zwei Namen geführt wird (Foto links: Beim Domino-Spiel im Caféhaus besprechen die Männer alle wichtigen Ereignisse - auch Geheimnisse wie Onkel Ahmed's).

Munter durcheinander geht es auch bei der Schreibweise der arabischen Namen. Nehmen wir unserer Freund Nagib Machfus als Beispiel, den wir nur so geschrieben haben, weil es der Unionsverlag uns vormachte. Der Vorname wird auch häufig als Naguib geschrieben, der Nachname auch als Mahfouz (gefällt uns am besten), Mahfuz, Machfuz oder Makhfuz. Suchen Sie sich etwas aus. Ähnlich ist es mit geläufigen Namen wie Mohamed, der Ihnen in vielen Variation geschrieben begegnen kann. Wir haben uns in solchen Fällen für die einfachste Lösung entschieden, wollen diese auch durchhalten. Einheitliche Transkriptionsregeln gibt es nämlich leider nicht.

 

 

 

Zahlen lügen nicht?

Da wir beim Durcheinander sind, geht es damit noch weiter. Nehmen Sie drei wissenschaftliche Bücher und vergleichen Sie die Regierungsdaten für einen ältägyptischen König, so finden Sie drei verschiedene Angaben. Sie stutzten bestimmt auch schon vorher. Da nannten wir Daten, die sich eigentlich genau lasen (Setoy I. 1291 - 1278 v.Chr.), setzten aber ein ca. dazu. Einfache Erklärung: Niemand kennt genau die Regierungsdaten der altägyptischen Könige, alles ist nur eine Annäherung. Deshalb das ca..

Die Unklarheit hat etwas vereinfacht folgende Ursachen. Die Ägypter kannten kein Jahr Null (woher auch? Einen Gott, der bestimmte: 'Die Jahre werden ab heute nach meinem Willen gezählt' und dessen Jünger gab es ebenso wenig, wie ein von Priestern verkündetes Datum der Erschaffung der Welt oder der Geburt eben eines Gottes. Die Welt war zwar endlich, aber zeitlos.). Die Ägypter hatten keinen fortlaufenden Kalender, zählten die Jahre nach den Regierungsjahren des jeweiligen Herrschers. Ein Jahr hatte zwar schon 365 Tage, aber im antiken Ägypten wurde der zusätzliche Vierteltag, der jedes Jahr dazukommt, einfach vergessen (heute wird die Zeit durch ein Schaltjahr wieder "eingestellt"). Das macht alle 100 Jahre eine Verschiebung der Jahre um 25 Tage, also fast einen Monat, aus. Zudem fehlen in den vorhandenen Quellen einige Könige oder deren Regierungsdaten, was den Aufbau einer genauen zeitlichen Abfolge der Herrscher schwierig macht.

Ein wenig Klarheit in das zeitliche Dunkel bringt eine ziemlich komplizierte astronomische Datierung. Doch auch diese ist bis jetzt mit Fehlern behaftet. Als sicher gelten erst alle Daten ab 664 v. Chr.. Seitdem können Bezüge zwischen Ägypten und anderen Mittelmeer-Anrainern zeitlich eingeordnet werden. In diesem Zusammenhang ist wichtig, dass in unseren Texten genannte Daten zu Herrschern sich nur auf Regierungszeiten beziehen. Die genauen Lebensdaten sind fast immer unklar. Nur selten kann belegt werden, dass ein König etwa in hohem Alter den Thron bestieg (Beispiel Merenptah) oder als Kindkönig herrschte wie Tut-ench-Amun.

Um mit unterschiedlichen Zeitangaben keine Verwirrung zu stiften, haben wir uns bei allen Datierungen auf das Schema des Engländers Peter A. Clayton in seinem Buch "Die Pharaonen" gestützt (Econ Verlag, Foto rechts: Unser praktischer Helfer ist vom vielen Nachschlagen schon etwas mitgenommen). Seien Sie also nicht verwirrt, wenn Sie bei anderen Autoren differierende Zeitangaben finden, von Führern abweichende Daten genannt bekommen. Zahlen lügen eben manchmal doch - oder sorgen zumindest nicht immer für völlige Klarheit. Ca. oder?

Zum Abschluss möchten wir für diesen für das Internet viel zu langen Text um Entschuldigung bitten. Aber es schien uns notwenig, einige für viele Seiten wichtige Fakten wie das Durcheinander bei Namen und Daten zu klären. Künftig werden wir uns bemühen, uns kürzer zu fassen. Aber ob das immer klappt???  Onkel Ahmed zumindest brauchte für sein Angebot mit vielen Ausschweifungen viel länger als Sie zum Lesen dieses Textes... (Text Wolfgang Sliwka)