English Version
 
Ägypten aktuell
West Bank Stories
Gut zu wissen
Sehenswürdigkeiten
Hotels
Restaurants
Ferienwohnungen
Shops
Service-Anbieter
Spezial-Touren
Ägypten-Links

Archiv

Kontakt
Sitemap

 

 

 

 

Die Libysche Wüste

Westlich des Nils erstreckt sich die Libysche Wüste mit ihren unterschiedlichsten geologischen Formationen. Wer sie einmal bereist hat, wird sie nie vergessen. Nicht nur die Landschaften sind faszinierend, sondern auch die Oasen mit ihren dort lebenden Menschen und deren Geschichte. Die bevorzugten Touren gehen von Kairo aus über die Oasen Bahariya, Farafra, Dachla und Charga nach Luxor. Es besteht aber auch die Möglichkeit einzelne Oasen zu besuchen.

Oase Bahariya:
Bahariya liegt etwa 370 km südwestlich von Kairo und erstreckt sich über 94 km Länge und 42 km Breite, umfasst etwa eine Fläche von 2000 qkm. Sie ist von Bergen umgeben und verfügt über zahlreiche Quellen. Das Verwaltungszentrum im Norden heißt al-Bawiti mit mehreren Dörfern. Östlich davon liegt das Gebiet von al-Haiz. Im Laufe der Geschichte trug sie verschiedene Namen. Im Mittleren Reich (2061-1650 v.Chr.) wurde sie „Dsjesdjes“ genannt, während sie im „Neuen Reich“ (1540-1070 v.Chr.) „ Die Nördlich Oase“ hieß. Seit 45 n.Chr., also in der Zeit der Römer, ist sie unter dem Namen „Oasis Parva“, also Kleine Oase, bekannt. Auch wurde sie „Die Zweite Oase“, später auch die „ Die Dritte Oase“genannt. In der byzantinischen Zeit heißt sie „Bahnasa“. Die heutige Bezeichnung ist „al-Wahat al Bahriyya“.
Die Bevölkerung setzt sich aus verschiedenen Gruppen zusammen. Alteinwohner haben häufig christliche Vorfahren, dann Berber (Beduinen) aus Libyen bzw. von der Mittelmeerküste und halbnomadisch lebende Oberägypter aus dem Raum al-Minya, die im 19. Jhd. vertrieben wurden. Anfang des 20.Jhd. gelangten Sudanesen und Militärflüchtlinge, häufig als Sklaven, nach Bahariya. Seit 1985 wanderten viele Nilbauern zu. Während im 19.Jhd. etwa 500 Menschen dort lebten sind es im Jahr 2000 ca.30 000.
Bahariya ist nachweislich seit dem Neolithikum, also seit der Jungsteinzeit (7500-5000 v.Chr.) besiedelt. Im Bereich al-Heiz wurden Siedlungsplätze von Jägern und Sammlern mit Mahlsteinen, Pfeilspitzen, Schabern, Meißeln und anderen Hornsteinwerkzeugen, sowie Straußeneierschalen gefunden. Zeugnis aus dem Neuen Reich (1540-1070v.Chr.) ist das Grab des Amenhoteb in Qarat Hilwa. Zeugnisse aus der 26. Dynastie sind die Gräber von Qarat Qasr Salim und Qarat asch-Scheich Subi in al-Bawiti, ebenfalls die Kapellen von Ain al-Muftila. Aus griechischer Zeit (332-395v.Chr.) gibt es den Tempel von Alexander dem Großen in Qasr el-Maqisba und die Ibis -Galerien von Qarat al-Fagari. Berühmt sind auch die goldenen Mumien aus der Römerzeit, die erst im Jahre 1996 entdeckt wurden und in einem kleinen Museum zu besichtigen sind.

Der wirtschaftlich Aufschwung kam mit der Erschließung der Eisenerz-Lagerstätten von
a-Managim im Osten der Senke, deren Erze in Helwan (Kairo) verhüttet werden.
Von Baharyia in Richtung der Oase Farafra kommt man durch die Schwarze Wüste (arabisch-Sahara Sauda), die auch tatsächlich zum Teil schwarze Hügel und Berge aufweist, Reste vulkanischer Aktivitäten aus uralter Zeit.

Oase Farafra:
Die Oase Farafra liegt etwa 180 km von Bahariya entfernt und erstreckt sich in einer großen Senke über 200 km in Nord-Südrichtung. Auch hier wurde Besiedlung in der Neolithischen Zeit (7.Jtsd.) nachgewiesen. Sie war einst Knotenpunkt von Hauptkarawanen-Routen. Die alte Hauptstadt Qasr Farafra besteht aus Lehmbauten, errichtet auf einem kleinen Hügel, umgeben von einer Verteidigungsmauer. Die Häuser sind zum Teil sehr verfallen, es wohnen aber noch einige Familien dort. Insgesamt leben heute etwa 20 000 Menschen in Farafra Die meisten sind im Laufe der Zeit aus dem Niltal zugewandert, vornehmlich Bauern.
Bekannt ist Farafra durch die über 100 warmen Brunnen, die zum Teil für die landwirtschaftliche Bewässerung genutzt werden. Einige Brunnen sind touristische Anziehungspunkte, in ihnen kann man bei etwa 40 Grad Celsius baden, oder auch schwimmen. Weltbekannt ist das Museum, das von dem Künstler Badr Abd-al Moghny gestaltet und gepflegt wird.

Nicht weit von Farafra entfernt findet man die wichtigste trouristische Attraktion in der westlichen Wüste, die Weiße Wüste. Sie besteht aus Kalksteinablagerungen und nimmt eine Fläche von etwa 3000 qkm ein. Im Jahr 2002 wurde sie zum Naturschutzgebiet erklärt. Sie hat sich aus einem ruhigen, eher flachen Meer entwickelt, das vor etwa einer Millionen Jahren, also während der Kreidezeit, dieses Gebiet bedeckte. Im Laufe der Zeit formten Hitze, Kälte, Wind und Sand die bizarresten und ungewönlichsten Skulpturen.

Oase Dachla:
Sie gilt als die schönste Oase Ägyptens und liegt in einer Senke, umgeben von rosa Felsformationen. In 14 Dörfern leben etwa 70 000 Menschen, überwiegend Bauern, die Maulbeeren, Datteln, Feigen und Zitrusfrüchte anbauen. 45% des Bodens sind kultiviert. Die Oase ist reich an Quellen, von denen einige wichtige Touristenziele geworden sind.
Nachweislich wurde Dachla seit der 6. Dynastie (2310-2155 v.Chr.) besiedelt, aber Funde beweisen, dass schon im Neolithikum der damalige See, der das Becken der Oase größtenteils ausfüllte, von Jägern und Sammlern durchstreift wurde. Sie wurde in alter Zeit „Wahat resit“ genannt oder die „Südliche Oase“. Auch hier sind die verschiedenen Perioden in Form von Anlagen und Bauten vertreten. So die Ruine Mut,-„Mut al Charab“-, aus der römischen Zeit (30 v.Chr.-395 n.Chr.), ebenfalls das Seinkloster - „Deir al-Hagar“-, das während der Regierung von Nero (54.-68 n.Chr.) erbaut wurde. Am interessantesten ist wohl die alte Stadt „al Qasr“. Angeblich geht die Siedlung sogar auf pharaonische Ursprünge zurück, doch das jetzige Bild wurde im wesentlichen in mamelukisch-osmanischen Zeiten geprägt. Sie wurde inzwischen unter Denkmalschutz gestellt und wird von etwa 30 Menschen instand gehalten.

Oase Charga:
Qasr Charga ist die Hauptstadt des Governements „Neues Tal“ und die südlichste und einwohnerreichste Stadt in den Oasen. Wirtschaftlich bedeutsam sind die Minen des Phosphatabbaus. Die meisten Einheimischen arbeiten in der Landwirtschaft. Schwerpunkte ihrer Produktion sind Datteln, Weizen, Reis und Gemüse. Ein weiterer Schwerpunkt sind das Handwerk und inzwischen auch der Tourismus.
Charga ist mindestens seit der Altsteinzeit vor über 2,4 mio Jahren (Paläolithikum) besiedelt. Entsprechende Funde von Werkzeugen und Felszeichnungen in „ain Umma-Dabadib“ und am „Dschabal atTair“, sowie in „Darb al-Ghubari“ belegen das. Wie der Hibis-Tempel zeigt, war die Oase auch zu pharaonischen Zeiten besiedelt und Knotenpunkt für Karawanen aus dem Süden. Für die Christen wurde sie mehr und mehr zum Verbannungsort für aufmüpfige Zeitgenossen. Sie geriet in Vergessenheit und erst im 17. Jhdt. gewann sie wieder an Bedeutung als Zwischenstation für die Sklaven-Karawanen aus Schwarzafrika auf der Piste „Darb el-Arbain“, die erste Wasserstelle nach langer Strecke ohne Verpflegung. Der älteste Tempel, nämlich der schon genannte Hibis-Tempel hat seinen Ursprung in der 25. bzw.26. Dynastie (712.-332 v.Chr.). Die Blütezeit erreichte die Senke al-Charga in der griechischen, bzw. noch deutlicher in der römischen Zeit (332 v. Chr.-395 n.Chr.). Davon zeugen Siedlungen, Tempel, Aquädukte, Militäranlagen und Garnisonen. Sie dienten der Überwachung der Karawanenwege zum Niltal, nach al-Dachla und in den Sudan.
Die berühmteste Sehenswürdigkeit ist der Friedhof von Bagawat. Er ist einer der ältesten und
wichtigsten christlichen Friedhöfe der Welt. Er datiert aus dem 3. und 6. Jahrhundert und seine 263 Grabkapellen wurden aus Schlammziegeln gebaut und sind heute noch gut erhalten. Ebenfalls sind die Tempel Hibis und Ghweita interessant und sehenswert. Etwa 120 km südlich von Charga liegt die Stätte von Dush. Auf einem Hügel befinden sich eine römische Festung und zwei Tempel. Die Anlage wurde von Domitian (81-96 nChr.) errichtet und von seinen Nachfolgern Hadrian (117-138 n. Chr.), und Antonius (138-161 n.Chr.) erweitert. Geweiht war die Stätte Osiris (mumiengestaltete Gottheit, Herr des Jenseits) und Isis (Gemahlin und Schwester des Gottes Osiris, Mutter des Gottes Horus, Gott des Himmels und Beschützer des Pharao). Sie wurde von den Römern eingenommen und war für sie von außerordentlicher strategischer Bedeutung. Von dort hatten sie die Kontrolle über die wichtigen Karawanenrouten, so über die nach Dafur (dem späteren Darb el-Arbain oder „Vierzig-Tage-Weg“ - Sklavenroute), sowie die Wege nach Esna und Edfu, also ins Niltal.

Text und Bilder: Hans Peter Hucke