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Schweben über der Vergangenheit (Teil II)

Wieder in Fesseln

Gleichzeitig steht das komplette Bodenteam bereit, legt unserem roten Riesen wieder die Fesseln an, breitet die große Plane aus. Nachdem Ballon und Korb ruhig und sicher stehen, die Halteleinen straff gezogen und in festen menschlichen Händen sind, beginnt unser Ausstieg. Ich muss den Anfang machen. Also los. Die Kamera, die bis zum letzten Moment in Aktion war, schnell in der Tasche verstauen, die Tasche abgeben, einen Fuß in die dafür vorgesehene Korb-Öffnung und an der Kante das gesamte Eigengewicht hochhieven. Das klappte ja gut. Und jetzt? Springen? Weit gefehlt. Ein junger Ägypter nimmt mich auf den Arm, hebt mich heraus. Shukran, shukran. So kommt einer nach dem anderen wieder "an Land".

Unser luftiges Gefährt verliert derweil schon langsam seine Super-Form, wird ein wenig schlaff. Es dauert nur noch einen Moment und der Riese wird wieder schlafen, bis er ganz, ganz schlank wird. So schlank, dass er von den behenden Helfern zusammengedreht, gefaltet und in einem relativ kleinen Packsack (Fotos rechts) verstaut wird. Der Riese der Lüfte ist zu einem handlichen Päckchen geschrumpft. Der Korb, das Gestänge und die Gas-Flasche sind schon abmontiert, liegen bereits auf ihrem Platz auf der Ladefläche des Pick-ups. Der eigentliche Ballon, dieses jetzt so handliche Päckchen im Packsack, kommt als letztes Gepäckstück dazu. Von unserer phantastischen Reise gibt es kaum noch eine Spur.

Spaß zum Abschluss

Kaum. Denn die große Plane liegt noch dort. Und ich weiß aus Deutschland, dass es zum Abschluss einer Ballon-Fahrt eigentlich immer eine kleine Zeremonie am Platz der Landung gibt. Sicher auch in der Wüste. Das wird bestätigt von heraneilenden Kindern aus den naheliegenden Bauernhöfen, die eine Ballon-Landung garantiert schon kennen. Sie fragen nach Kugelschreibern, Bonbons, Bakschisch, bieten ihre Esel zum Reiten an. Viel Glück haben sie aber heute nicht. Daran hatte wohl niemand von uns gedacht.

Wohl auch nicht, um halb acht Uhr morgens das Tanzbein zu schwingen. Aber genau das ist jetzt dran. Ein paar der Team-Jungen holen ihre Trommeln hervor, die anderen machen die Aufforderung zum Tanz. Ein etwas seltsames Vergnügen, dass aber alle in vergnügte Stimmung versetzt. In die richtige Stimmung, jetzt die Urkunde für eine erfolgreich beendete Ballon-Fahrt, oh sorry, einen erfolgreich beendeten Ballon-Flug, in Empfang zu nehmen (Fotos unten).

Jetzt werden auch wir allesamt wieder "verpackt" - in den Minibussen - und es geht heimwärts. Ich sitze neben dem Fahrer, steige ja schließlich als erste aus. Wo er halten soll, fragt der Fahrer. Als ich ihm sage bei der Tankstelle, sieht er mich stutzend an, fragt, in welchem Hotel ich denn wohne. Meine Antwort, dass ich im Dorf El Gezira lebe, und zwar nicht in einem Hotel, sondern in einem gemieteten Haus, macht ihn neugierig. Denn auch er lebt in dem Dorf. Und wie soll es letztlich auf der West Bank anders sein: Das Oberhaupt unserer Vermieter-Familie ist sein Onkel! Wir lachen beide. Ma'a salama, bis zum nächsten Wiedersehen. Ein schöner Abschluß für einen phantastischen Morgen. Und es ist ja noch früh genug, ein Stückchen des versäumten Schlafs nachzuholen und von dem luftigen Erlebnis zu träumen....

Antje Sliwka

Information

Der Preis für eine etwa einstündige Ballon-Fahrt mit "Magic Horizon Balloons" beträgt für Erwachsene/Kinder im Alter bis zu zwölf Jahren 99/50 Englische Pfund. Die Bezahlung erfolgt im Voraus in Bar oder per gängiger Kreditkarte (ausländische Währungen werden nach aktuellem Bank-Wechselkurs umgerechnet). Im Preis sind eine Insassen-Versicherung, der Transport vom/zum Hotel und ein Überraschungs-Geschenk eingeschlossen. Absagen einer gebuchten Tour müssen spätestens 24 Stunden vor dem Start erfolgen, für spätere Stornierungen gibt es keine Rückerstattung. Sollte der gebuchte Flug wegen schlechter Wetter-Konditionen nicht stattfinden können, wird die volle gezahlte Summe zurückgezahlt. Bedenken Sie bitte, dass die Route einer Ballon-Fahrt nicht vorab festgelegt werden kann, denn die Fahrtrichtung wird von Wind und Thermik bestimmt. Start-Zeit ist normalerweise morgens bei Sonnenaufgang, auf Wunsch können bei guten Wetter-Bedingungen auch Nachmittags-Touren arrangiert werden.

Und für alle Zahlenliebhaber noch ein paar Fakten (alle Angaben von Dezember 2002): Das Familienunternehmen "Magic Horizon Balloons" wurde vor eineinhalb Jahren gestartet, betreibt drei unterschiedlich große Ballons, kann damit 22, zwölf oder drei Passagiere befördern. Ein britischer und drei ägyptische Piloten arbeiten für das Unternehmen, die Ägypter wurden in England ausgebildet. Betrieben werden die Ballons mit Helium, 80 Liter (eine Tank-Füllung) werden durchnittlich für eine einstündige Reise verbraucht, aus Sicherheitsgründen werden vier Flaschen mitgeführt. Die Gas-Flaschen wiegen 50 kg. Die Ballon-Hülle besteht aus ca. 200 qm Spezialgewebe, wiegt ca 500 kg, der Korb und das Gestänge ebenfalls 500 kg. Der große Ballon kann eine Passagier-Last von bis zu drei Tonnen befördern. Je nach Wind und Thermik kann der Ballon 15 km in der Stunde zurücklegen. Alle Ballons wurden in England hergestellt, ein Ballon kostet etwa 100.000 Englische Pfund.

Sie können sich über den Kontakt-Button gern mit uns in Verbindung setzen, wir beantworten - soweit wir können - Ihre Fragen, leiten die gegebenenfalls sofort an das Unternehmen weiter, ebenso wie Ihre Wünsche oder Voranmeldungen. (Text und Fotos Antje Sliwka)

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