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Paradiesischer
Garten mit nubischem Flair
Lobeshymmnen, die Ali in seinen Anstrengungen bestärken. Er wollte einen Platz zum Wohlfühlen schaffen, dabei hohe Qualität zu vernünftigen Preisen bieten. "Ich kenne die Bedürfnisse der Touristen, möchte sie erfüllen." Das gelingt ihm. Sichtbares Zeichen dafür ist, dass mehr und mehr Reiseleiter ihre Gruppen ins "Africa" führen, Ägypter auch ihre privaten Gäste dorthin einladen. Das empfindet Ali als echte Auszeichnung. Und noch wichtiger ist seine Erfahrung: "Seit wir eröffnet haben, hat sich noch kein Gast beklagt, hat mir noch keiner nach dem Essen Beschwerden serviert." Das muß stimmen. Denn auch wenn ein Gast nicht bei ihm persönlich über Unwohlsein nach dem Essen geklagt hätte, so etwas hätte sich im Dorf El Gezira schnell herumgesprochen. Wie kam er eigentlich auf den Namen "Africa"? Ali lächelt. "Ägypten gehört vom Mittelmeer bis zur Stadt Minia zum arabischen Raum, von dort bis zur Grenze zum Sudan zu Afrika. Wir sind ein Land zwischen zwei Welten. Aber wir in El Gezira gehören eben zu Afrika. Deshalb der Name." Eine plausible Erklärung. Und der am stärksten afrikanisch geprägte Teil Ägyptens, Nubien, prägt auch das Restaurant. Stolz meint Ali: "Es erinnert an den Innenhof eines nubischen Hauses. Ich habe alles selbst entworfen. Ich wollte einen Platz mit viel Blumen und Grün, einen romantischen Platz." Das ist ihm gelungen. Der warme Erdton der Umfriedungsmauern mit den vom Künstler Abdel Atif entworfenen naiven Malereien strahlt Behaglichkeit aus. Blumen prägen das Bild, kleine Palmen, Bananen, Büsche. Eine nubische Mischung zwischen Hof und Garten. Ein Augenschmaus, der Appetit auf mehr macht.
Ein Blick in die kleine Speisenkarte. Tomaten- oder Gemüsesuppe (LE 4), Omelett oder Rührei, Makkaroni oder Spaghetti als Snack oder Vorspeise (LE 4), Hühnchen in verschiedenen Variationen, in der Tonschüssel, dem"Tagen", gegartes Fleisch mit Gemüse, Kofta, Kalbsschnitzel, Fisch aus dem Nasser-Stausee, Lamm (alles LE 8 plus Beilagen) als Beispiele für Hauptgerichte, dazu natürlich die typisch ägyptischen Salate wie Tahina, orientalischer Salat oder Hommus (jeweils LE 3). Hört sich gut an, sieht auf dem Teller noch besser aus. Und vor allem es schmeckt. Aber das wahre Erfolgsrezept des "Africa" steht nicht in der Karte. Das ist das Tagesmenü. "Es ist jedesmal eine Überraschung des Kochs", meint Ali, der auf seine zwei Chefs, die beide Nouby heißen, schwört. Denn sie wissen, was der Boss verlangt. Qualität! Und eine Küche, die sich nach dem Angebot der Saison richtet. Schließlich werden nur frische Zutaten verwendet. "Gefrorenes kommt bei uns nicht in den Topf", schwört Ali. Wie Ali überhaupt bei der Konstruktion des "Africa" an Behinderte gedacht hat. Keine Stufe versperrt Rollstuhl-Fahrern den Weg, die Toiletten sind groß genug für Rollis. Hier können sich eben auch Behinderte und alte Menschen bequem bewegen. Doch Ali kennt auch Tabus. "Fleisch von Kamelen, Pferden oder Kaninchen gibt es bei mir nicht." Und natürlich auch kein Schweinefleisch. Da ist er ganz rigoros. Auch, was den Fernseher betrifft. Eine Satelliten-Anlage? "Kein Thema. Meine Gäste wollen in Ruhe essen. Ich möchte kein Publikum, das nur kommt, um sich Fußballspiele oder Filme anzusehen." Nur wenn Ägypten ein Fußball-Match austrägt, die Spiele der Spitzenklubs Al Ahly und Zamalek übertragen werden, darf der Fernseher in der Ecke flimmern - aber leise. Neue Gäste kommen. Ali versucht sich auf Französisch, mit dem er sich genauso gut verständigen kann wie mit Deutsch oder Italienisch. Schließlich ist er welterfahren. Er begann als Eselführer (daher seine Liebe zu den Grautieren), kam dann mit 16 Jahren zum Film. Zwar nicht als Schauspieler, aber immerhin als Übersetzer für die Filmemacher bei den Dreharbeiten der englischen Version von Agatha Christies "Tod auf dem Nil". Auch für deutsche Fernsehteams war er Organisator und Übersetzer, arbeitete später für "Sphinx-Film", weil er die Gegend der West Bank wie seine Hosentasche kennt. Dann fuhr er Taxi, gründete sein erstes kleines "Africa Restaurant". Doch das fiel Flurbereinigungs-Maßnahmen der Stadt Luxor zum Opfer. Von der Entschädigung baute er sein neues "Africa". Von seinen Erfahrungen, seiner Landeskenntnis profitieren auch Alis Gäste. Er gibt Ausflugstipps, Ratschläge, organisiert Touren, einen Shuttle-Service oder auch Tages-Ausflüge inklusive Lunch mit seinem Motorboot. Wer etwas sucht, wer gute Tipps braucht, der geht ins "Africa". Nach dem Motto: Fragen? Fragen Sie Ali. Das "Africa" ist eben etwas mehr, als nur ein Restaurant.
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